Positionspapier zum Platz der Alten Synagoge

Pressemitteilung vom 05.08.2014

Platz der Alten Synagoge in Freiburg
Position der GRÜNEN Gemeinderatsfraktion zur Planung und zum Verfahren

Die vom Gemeinderat beschlossene aktuelle Konzeption für den Platz der Alten Synagoge ist das Ergebnis eines insgesamt zehnjährigen Planungs- und Beteiligungsprozesses. Schon dem Architektenwettbewerb von 2006 war eine zweijährige Öffentlichkeitsarbeit mit Workshops, Vorträgen und Diskussionen vorausgegangen.

Ziel war es immer, einen ausdrücklich städtisch-urbanen Platz zu gestalten, der sich für möglichst viele Nutzungsvarianten eignet – z.B. auch für Großdemonstrationen, für die Münster-, Rathaus- und Augustinerplatz ungeeignet sind. Damit war ein nennenswerter Anteil zusammenhängender Grünflächen von vorne herein nicht vorgesehen.

Stadtrat Helmut Thoma

Stadtrat Helmut Thoma (Bild: Britt Schilling)

Stadtrat Eckart Friebis

Stadtrat Eckart Friebis (Bild: Britt Schilling)

Das Ergebnis des Wettbewerbs, der Entwurf von Rosenstiel und „Faktorgrün“, ist im städtischen Bauausschuss vielfach – auch und insbesondere hinsichtlich klimatologischer Aspekte – diskutiert und in wesentlichen Punkten abgeändert worden: So wird der alte Baumbestand weitgehend erhalten bleiben, auf das „Platzhaus“ wurde u.a. auch deshalb verzichtet, weil ihm zwei große Bäume hätten weichen müssen.

Das Angebot an Sitzmöglichkeiten wurde deutlich ausgeweitet, auf Anregung der Grünen wird es „Wasserspiele“ geben und die denkmalgeschützte Vorzone des Theaters bleibt erhalten. All dies wurde intensiv diskutiert und abgewogen, der Gemeinderat hat über die Gestaltung des Platzes mehrfach in öffentlicher Sitzung beraten, die Medien haben darüber jeweils sehr ausführlich berichtet.

Der Verzicht auf eine Liegewiese wurde bewusst und – wie alle wesentlichen Änderungen – mit breiter Mehrheit beschlossen, zumal der Colombipark mit ausgedehnten „Liegewiesen“ sowie der Alleegarten bei der Mensa in jeweils nur rund 150 Meter Entfernung nördlich und südlich der Platzkante zur Verfügung stehen. Und nur am Rande sei erwähnt, dass weltberühmte Plätze im heißeren Südeuropa oft ohne jegliche Vegetation auskommen – und sich dennoch höchster Beliebtheit erfreuen.

Sorgen wegen einer spürbar nachteiligen Veränderung des Stadtklimas sind aus unserer Sicht und nach Einschätzung von Fachgutachtern weitgehend unbegründet: Es wird auch an heißen und sonnenreichen Tagen immer genügend schattige Randbereiche geben, es entsteht zudem eine große Wasserfläche, die Lage und Umriss der namensgebenden Alten Synagoge „widerspiegelt“. Die heute überwiegend asphaltierte Platzfläche erhält einen hellen Natursteinbelag, was eine Aufheizung verringert, und eine wirksame Durchlüftung ist durch die von großen Lücken gekennzeichnete Randbebauung weit besser gewährleistet als bei anderen innerstädtischen Platzräumen.

Im Übrigen werden bei hochsommerlicher Mittagshitze schattenlose Platzbereiche auch heute schon gemieden, während sich in den sonstigen Jahreszeiten die NutzerInnen vermutlich an vielen Tagen eher über wärmende Sonnenstrahlen freuen werden. Und wie das aktuelle Wettergeschehen zeigt, gibt es selbst im Sommer manch kühle und feuchte Tage, an denen ein sonnenbeschienener Platz durchaus geschätzt wird.

Wir weisen deshalb Vorwürfe entschieden zurück, die Planung sei unausgereift, ökologisch fragwürdig und über die Köpfe der Bürgerschaft beschlossen worden. Bei Projekten, die derart im öffentlichen Interesse stehen, gibt es immer unterschiedliche Zielvorstellungen und Prioritäten. Die künftige Gestaltung für den Platz der Alten Synagoge ist jedenfalls das Ergebnis eines sorgfältigen, transparenten und demokratischen Entscheidungsprozesses.

Deshalb sind wir sicher, dass das fertige Ergebnis in der Bevölkerung auf breite Akzeptanz stoßen wird, weil der Platz im Vergleich zu heute eine ungeheure Aufwertung erfährt: gestalterisch, von seinen Nutzungsmöglichkeiten und in seiner Aufenthaltsqualität!

August 2014, Helmut Thoma, Eckart Friebis, Stadträte, Mitglieder des Bauausschusses

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