Stadträtin Vanessa Carboni (Bild: Britt Schilling)

Anfrage zur Beschaffung städtischer Lebensmittel

Wir haben eine Anfrage zum Thema Ernährung gestellt und wollen z.B. wissen, woher die Stadt die Lebensmittel für die Kantinen bezieht. Was das mit Klimaschutz zu tun hat erklärt unsere Stadträtin Vanessa Carboni im Video.

Anfrage nach §24 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Horn,

Freiburg hat sich mit seiner ehrgeizigen und nachhaltigen Umweltpolitik, sowie einem politischen und bürgerschaftlichen Bekenntnis zu erneuerbaren Energiequellen als Green City weltweit einen Namen gemacht.  Und wenn es um ein nachhaltiges und umweltfreundliches städtisches Bewirtungskonzept geht? 

Regionaliät:  Auf einem ambitionierten Kantinenkongress wurde 2016 mit Fachpublikum diskutiert, was in Freiburgs Kantinen möglich und machbar ist. Die dafür zusammengetragenen Resultate waren ernüchternd: Der Anteil regionaler Produkte am Konsum in Freiburg war insgesamt noch wenig ausgeprägt. Die Region deckte nur maximal 20 Prozent des Freiburger Lebensmittelbedarfs. Begründet wurde dies damit, dass die Lebensmittelversorgung im Wesentlichen von globalen Marktstrukturen abhängt und nur zum geringen Teil von der Region geleistet wird. (Nur bei bei Milch und Rindfleisch kann die Region ihren Bedarf fast ausschließlich aus heimischer Produktion bestreiten). Allerdings bleibt das Verhältnis von ökologischer Tierhaltung und Massentierhaltung dabei offen, welches sowohl aus ethischer und ökologischer Verantwortung für deutliche Kritik sorgt. Die enge Kooperation mit der Regionalwerte AG und dem Ernährungsrat ist ein wichtiger Schritt, um vor Ort Verantwortung für eine nachhaltige und resiliente Land- und Ernährungswirtschaft zu übernehmen.

Ökologie:  Die konventionelle Landwirtschaft ist auf eine hohe Ertragsleistung ausgerichtet. Dafür nutzt sie chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und baut vorranig Monokulturen an. Die hohe Zahl von Corona-Infektionen unter Schlachthaus-Mitarbeitern wirft dabei aktuell wieder ein Schlaglicht auf die Bedingungen in der konventionellen Fleischbranche. Die Arbeitsbedingungen und Tierhaltungsmethoden in großen Schlachtbetrieben sind oft miserabel. Dabei werden alleine in Deutschland jedes Jahr knapp 800 Millionen Landlebewesen für die Ernährungsindustrie getötet. So ist es beispielsweise in der konventionellen Tierlandwirtschaft noch immer legal, Körperteile ohne Betäubung zu amputieren, Küken millionenfach zu schreddern, Kälber meist umgehend nach der Geburt von ihren Müttern zu trennen, um deren Milch zu gewinnen und Schweine in engen Kastenständen oder Kühe in der Anbindehaltung zu fixieren. Häufig leben diese Tiere so beengt, dass sie sich kaum bewegen und nicht einmal um die eigene Achse drehen können. Zudem werden viele Tiere derart überzüchtet, dass sie sich nicht mehr auf den Beinen halten können. 

Natürlich geht es auch in der ökologischen Landwirtschaft (auch BIO genannt) um Wirtschaftlichkeit, aber immer mit Blick auf ökologische und ethische Aspekte. Sie nutzt zum Schutz vor Schädlingen natürliche Pestizide und setzt auf vielfältige Fruchtfolgen, damit Felder mit verschiedenen Kulturen bepflanzt werden – ganz zur Freude der Bienen. Sie verwendet vor allem Düngemittel wie Kompost oder Mist, in denen Stickstoff natürlich gebunden ist oder Stickstoff sammelnde Pflanzen (Leguminosen).  Neben dem Erhalt der Artenvielfalt und dem Schutz von Bodenfruchtbarkeit  Biodiversität ist darüber hinaus auch (im Vergleich zur Massentierhaltung ) eine artgerechtere Tierhaltung vorzufinden. Freiburg ist Mitglied der „Biostädte“,  wir sind Bio Musterregion. Daher sollte die Stadt Freiburg diesem Namen auch ambitionierte Ziele folgen lassen.

Klimaschutz und CO2 Redution:  Die landwirtschaftliche Tierhaltung gehört mit mindestens 14,5 Prozent aller Treibhausgasemissionen zu den Haupt­verursachern des Klimawandels – noch vor dem gesamten Transportsektor. Die Brände im Amazonas-Regenwald, der rund ein fünftel unserer weltweiten Sauerstoff­versorgung ausmacht, sind hiermit verbunden, denn die Waldrodungen erfolgen hauptsächlich, um Soja für Tierfuttermittel anzubauen – auch für die deutsche Fleisch-,  Eier- und Milchwirtschaft. Über 90 % des weltweit angebauten Sojas und über 50 % aller Ernten werden als Futtermittel verwendet. Mehr als 83 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden für die Tierhaltung und für deren Futtermittel verwendet. Daraus ergibt sich zweifelsohne ein großer Handlungsbedarf einer Green City wie Freiburg. Der Konsum regional erzeugter Produkte wirkt sich positiv auf die C02 Bilanz aus aus – wesentlich einschneidender ist jedoch die Entscheidung zwischen tierischer und pflanzlicher Ernährung.  2018 kam eine bekannte Oxford-Studie zu der Schlussfolgerung, dass der Wandel hin zu einer pflanzlich-orientierten Ernährung die beste Möglichkeit ist, um die Auswirkungen auf das Klima am effektivsten zu bekämpfen. Auch der Weltklimarat (IPCC) betont in seinem 2019 veröffentlichten Sonderbericht die Bedeutung derErnährung – wenn auf Gemüse und Getreide gesetzt wird können CO2-Emissionen wesentlich gesenkt werden. Angesichts dieser Tatsachen ist es dringend nötig, dass die Stadt ambitionierte Ziele für CO2 reduzierte Lebensweise verfolgt. Nur so kann Freiburg dem Titel der GREEN City in Punkto der städtischen Ernährungsversorgung gerecht werden.

Aus diesem Grund bitten wir Sie um Beantwortung folgender Fragen: 

  1. Wo  (bei städtischen Empfängen, Veranstaltungen, etc.) überall verpflegt die Stadt Freiburg direkt oder indirekt Menschen?
  2. Woher bezieht die Stadt Freiburg in ihren Kantinen und auf städtischen Veranstaltungen ihre tierischen Produkte? Kann Massentierhaltung dabei verantwortungsbewusst und lückenlos ausgeschlossen werden? Inwiefern wird der Arbeits- und Gesundheitsschutz der dortigen Mitarbeitenden berücksichtigt?
  3. Wie viel Prozent der angebotenen tierischen Produkte entsprechen mindestens dem BIO- Standard?
  4. Wie viel Prozent der von der Stadt angebotenen Speisen werden mit Fleisch/Wurst/Fisch, vegetarisch und rein pflanzlich – orientiert (vegan) angeboten?
  5. Wie viel rein pflanzliche Speiseangebote haben die städtischen Kantinen und Einrichtungen täglich im Angebot, im Vergleich zu tierischen Speisen?
  6. Welche Nahrungsmittel dürfen auf Freiburger Wochenmärkten verkauft werden? Besteht die Möglichkeit, Verkäufer*innen biologischer und regionaler Waren einen Vorteil zu geben? 
  7. Welches Konzept verfolgt  die Stadt Freiburg zur Reduktion ihres CO2 Verbrauchs bei der Verpflegung und Bewirtung?

Mit freundlichem Gruß,

Vanessa Carboni, Stadträtin, Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen

Nadyne Saint-Cast, stellv. Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/ Die Grünen

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