Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Horn,
hiermit beantragen die unterzeichnenden Fraktionen, das Thema „Stärkung der Stadtteil-
gesundheit“ im Gemeinderat aufzunehmen und hierzu eine schriftliche Vorlage vorzulegen. Die
Vorlage soll sowohl in einer der nächsten Sitzungen des Kinder- und Jugendhilfeausschusses
als auch des Sozialausschusses beraten werden.
Vor dem Hintergrund des vom Gemeinderat beschlossenen Ausbaus der (aufsuchenden) Sozi-
alberatung gemäß Drucksache G-25/180 sowie des im Doppelhaushalt beschlossenen Zuschus-
ses für die Poliklinik Freiburg – Solidarische Stadtteilgesundheit e. V. bitten wir darum, in den
genannten Ausschüssen darzustellen und zu diskutieren, wie bestehende Angebote der Quar-
tiersarbeit, Sozialberatung und Stadtteilgesundheit zusammen gedacht, bewertet und perspekti-
visch weiterentwickelt werden können.
Für eine Beratung in den Ausschüssen wäre es hilfreich, wenn die Verwaltung – soweit möglich
– folgende Punkte vorbereitend darstellen könnte:
- Eine Übersicht zu bestehenden Beratungsangeboten in Kinder- und Jugendarztpraxen
in den Stadtteilen Weingarten, Landwasser und Haslach. Dabei wären insbesondere
Zielgruppen und Reichweite, inhaltliche Schwerpunkte und die entstehenden Kosten
und Finanzierungsstrukturen für die weitere Diskussion von Interesse.
- Eine Vorstellung erster Erfahrungsberichte und Erkenntnisse der Poliklinik Solidarische
Stadtteilgesundheit, insbesondere im Hinblick auf erreichte Personengruppen, identifi-
zierte gesundheitliche und soziale Problemlagen, Schnittstellen zur Sozialberatung und
Quartiersarbeit sowie erste Einschätzungen zu Wirkung und Mehrwert des Ansatzes.
- Eine Einordnung möglicher Perspektiven, wie Quartiersarbeit, gesundheitliche Versor-
gung und der Zugang zu Menschen künftig integriert gedacht werden könnte, welche
Kooperations- und Schnittstellenmodelle hierfür geeignet wären und wie eine bedarfsge-
rechte Finanzierung entsprechender Strukturen ausgestaltet sein könnte.• Eine Einordnung des Themenfeldes Gesundheitsfachkraft an Schulen im Kontext der
Stadtteilgesundheit, unter Bezug auf externe Modellprojekte wie z.B. in Stuttgart, zur
Diskussion möglicher Ansatzpunkte in Freiburg.
- Darstellung inwiefern die zusätzlichen Mittel aus dem Programm der Start-Chancen-Schu-
len für Gesundheitsprävention eingesetzt werden können.
- Eine Übersicht über die Möglichkeiten einer zusätzlichen Finanzierung kommunaler Prä-
ventionsprojekte durch Krankenkassen auf Grundlage des Gesetzes zur Gesundheits-
förderung und Prävention.
Begründung
Es liegt auf der Hand, dass gesundheitliche Probleme und soziale Lebenslagen häufig eng mit-
einander verknüpft sind. Insbesondere in Quartieren mit besonderen sozialen Belastungen wir-
ken sich Armut, beengte Wohnverhältnisse, psychosoziale Belastungen oder fehlende Unterstüt-
zungsnetzwerke unmittelbar auf die gesundheitliche Situation von Kindern, Jugendlichen und ih-
ren Familien aus.
Mit der Drucksache G-25/180 hat der Gemeinderat den Ausbau niederschwelliger und aufsu-
chender Sozialberatungsangebote beschlossen. Parallel dazu werden mit der Förderung der Po-
liklinik Solidarische Stadtteilgesundheit neue Wege erprobt, um medizinische Versorgung, sozi-
ale Beratung und quartiersbezogene Ansätze enger miteinander zu verbinden.
Ergänzend lohnt sich der Blick auf externe Modellprojekte, die ähnliche Schnittstellen adressieren.
Ein in Stuttgart erprobtes Modellprojekt mit Schulgesundheitsfachkräften verdeutlicht, dass Ge-
sundheitsangebote an Schulen einen wichtigen Beitrag zur frühzeitigen Erkennung gesundheitli-
cher und sozialer Problemlagen leisten.
Gerade Kinderarztpraxen nehmen hierbei eine besondere Schlüsselrolle ein: Sie stehen mit sehr
vielen Kindern und Familien in regelmäßigem, oft langjährigem Kontakt, begleiten diese über
längere Zeiträume hinweg und verfügen über ein hohes Maß an Vertrauen. Dadurch werden
gesundheitliche, soziale und familiäre Problemlagen häufig frühzeitig sichtbar – zugleich fehlt es
bislang vielfach an gut verzahnten Strukturen, um betroffene Familien niedrigschwellig an pas-
sende Unterstützungsangebote weiterzuleiten.
Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, die dargestellten Erfahrungen und bestehenden
Ansätze als Ausgangspunkt für einen gemeinsamen Beratungs- und Entwicklungsprozess zu
nutzen. Im Verlauf dieses Prozesses könnte geprüft werden, ob und in welcher Form sich ein
ganzheitlicher Ansatz der Stadtteilgesundheit für Kinder und Jugendliche in Sozialquartieren mit
besonderen sozialen Belastungen (insbesondere Kategorie 5) entwickeln lässt. Dabei sollten Ak-
teure und Strukturen – etwa Gesundheitsamt, Schulen, Kinder- und Jugendarztpraxen, KV, Run-
der Tisch Gesundheit, Universitätsklinikum, kommunales Management, BAD sowie der zahnärzt-
liche Dienst – einbezogen und miteinander vernetzt werden. Ziel des Prozesses wäre es, schritt-
weise ein Gesamtkonzept zu entwickeln.
Mit freundlichen Grüßen
gez.
Julia Söhne, Ludwig Striet SPD+JF-Fraktion
Passar Bamerni, Hannes Wagner Bündnis 90/Die Grünen
Gregor Mohlberg, Emriye Gül ESFA
Uwe Stasch, Franco Orlando FDP/BfF
