Fraktionsvorsitzende Maria Viethen

Fraktionsvorsitzende Maria Viethen (Bild: Britt Schilling)

„Stadion ist eine zukunftsweisende Investition in die Infrastruktur der Stadt“

Rede von Fraktionsvorsitzender Maria Viethen zu TOP 1 der Gemeinderatssitzung am 18.11.2014 zum Thema: „Neues Fußballstadion am Flugplatz/Wolfswinkel“

Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren,

zuletzt haben wir über das Thema Bau eines neuen Fußballstadtions im Wolfswinkel im Februar dieses Jahres gesprochen. Damals ging es um die Frage, ob KO-Kriterien den Standort am Wolfswinkel aus der Diskussion werfen, oder ob die Verwaltung mit der vertieften Planung und der Vorbereitung eines Grundsatzbeschlusses beauftragt werden sollte. Das haben wir damals getan.

I. Heute sind wir neun Monate und eine Gemeinderatswahl weiter.

Der Dialogprozess mit der Bevölkerung und die diversen Gutachten zum neuen Standort Wolfswinkel haben uns zwischenzeitlich deutlich vor Augen geführt, dass mittlerweile bauliche Veränderungen am alten Standort schlichtweg nicht mehr genehmigungsfähig wären. Das gilt für die Anforderungen der DFL im Hinblick auf die Verlängerung des Spielfeldes oder Sicherheitsvorkehrungen wie Brandschutz oder die Lenkung der Fan-Ströme. Jede bauliche Maßnahme würde eine neue Baugenehmigung erfordern. Die Vorschriften sind mittlerweile wesentlich strenger als noch zu Zeiten früherer Umbauten. Insbesondere wegen der Nähe zur Wohnbebauung würde eine Baugenehmigung dort nicht mehr erteilt werden. Und wegen der Begrenzung der-Zuschauerzahlen am alten Standort könnte der Sportclub Baumaßnahmen am alten Standort auch nicht refinanzieren.

Das ist jammerschade. Denn das frühere Dreisam- und heutige Schwarzwaldstadion ist einzigartig. Mittlerweile haben aber selbst die Fans aus der Nordkurve akzeptiert, dass sie ihre Heimat aufgeben müssen. Und machen sich auf den Weg, das neue Stadion mitzudenken und mitzugestalten.

II.  Auf dem Fan-Flugblatt zum neuen Stadion heißt es: Der Standort am Flugplatz ist perfekt. Und diese Auffassung teile ich.

Wenn man sich die hysterische Tonlage anhört, die die Diskussion um das neue Stadion insbesondere im Stadtteil Mooswald mittlerweile angenommen hat, dann könnte man meinen wir würden dort den Bau eines Kohlekraftwerks oder einer Chemiefabrik planen. Liebe Leute: Es ist ein Fußball-Stadion! In dem auch nur Fußball gespielt werden soll, und dass auch nur an 17 Heimspieltagen pro Jahr. Und wenn der SC es in einer Spielzeit unter die ersten drei schafft, dann vielleicht einige wenige Spiele mehr.

Diese wilden Behauptungen über zukünftige  Belastungen, die mit dem Bau des Stadions auf den Stadtteil zukommen könnten, die können schon heute live und 1 zu 1 in den Stadtteilen Oberwiehre-Waldsee und Littenweiler überprüft werden. Ich wohne in der Oberau, ich bin oft in der Nähe, wenn der SC ein Heimspiel hat. Hin und wieder jogge ich da, im Kommunalwahlkampf haben wir bei einem Heimspiel Flugblätter für die Grünen verteilt, beim letzten Heimspiel hatte ich zufällig in Littenweiler zu tun. Ich weiß also wovon ich rede: Es ist nicht laut. Man wird nicht eingesperrt in seinem Stadtteil. Manchmal dauert es 10 Minuten länger, wenn man ausgerechnet nach dem Spielende mit dem Auto über die Kartäuserstraße fahren will. Die Schalke-Fans trampeln nicht durch die Vorgärten. In der Umgebung sinken die Immobilienpreise nicht, sie steigen! Ich halte die Belastungen durch 20 oder 22 Fußballspiele für die Stadtteile Waldsee-Oberwiehre und Littenweiler für vertretbar, und ich wüsste nicht, weshalb diese Belastungen für die Stadtteile im Westen nicht vertretbar sein sollten. Insbesondere auch deshalb, weil sich am Standort im Wolfswinkel eine Reihe von Möglichkeiten bieten, diese Belastungen noch einmal erheblich zu mindern.

Am Wolfwinkel liegen zwischen dem Stadionkörper und der Wohnbebauung nicht wie am alten Standort 40 m, sondern 400m. Dazwischen liegt dann später nicht freies Feld, sondern dort sind die Gebäuderiegel der Universität, die dort vorgesehen sind. Das neue Stadion wird als geschlossener Baukörper gebaut, der Lärm nur nach oben abgeben kann. Die Verkehrsführung ist erheblich erleichtert, weil zwei leistungsstarke Hauptverkehrsstraßen den Standort anbinden. Die Zufahrt vom Autobahnzubringer erfolgt nicht durch die ganze Stadt und auch nicht durch Wohnbebauung. Zusätzlich wird eine neue Straße parallel zur Elsässerstraße gebaut, die vor allen Dingen den Stadtteil Mooswald entlastet, und zwar nicht nur an den Spieltagen. Die Regelung der Fan-Ströme wird wesentlich einfacher, die Polizei kann ihren Aufgaben wesentlich effektiver nachgehen.

Aber schon jetzt – ohne Stadtbahnanschluss und ohne Entlastungsstraße – ist der direkt benachbarte Standort Neue Messe wesentlich unproblematischer zu bespielen als das Nadelöhr an der Schwarzwaldstraße. Als die „Toten Hosen“ im letzten Jahr ein Konzert auf der Neuen Messe gegeben haben, waren 50.000 Menschen da. Ich kann mich nicht erinnern, dass von Problemen berichtet wurde. Auch von der BI „Pro Wolfswinkel“ war damals nichts anderes zu hören. So what?

Für meine Fraktion ist der Standort im Wolfwinkel deshalb ein guter Standort, weil er eine ökologisch vertretbare Anbindung hat. Als einziger der untersuchten Standorte ist er von der Stadtmitte aus fußläufig erreichbar. Er ist auch mit dem Fahrrad gut erreichbar. Wir können Fan-Busse von der Autobahn problemlos dorthin bringen. Und wir bauen eine neue Stadtbahnlinie zur Messe, die das Stadion mit andienen wird. (Wir werden aus diesem Grund auch dem Antrag der SPD, das Ergebnis der Standortsuche nur einfach zur Kenntnis zu nehmen und nicht „zustimmend zur Kenntnis zu nehmen, nicht zustimmen.)

Die gutachterlichen Stellungnahmen sind seit dem Beschluss im Februar weiter vertieft worden. Es haben sich nach wie vor keine Punkte ergeben, die einen Bau des Stadions am Wolfswinkel unmöglich machen. Der Deutsche Wetterdienst hält an seiner Stellungnahme zur Flugsicherheit fest, die Gutachten zum Stadtklima sind vertieft worden. Auch die Stellungnahmen zum Artenschutz sind weiter positiv. Ich freue mich sehr über den Vorschlag der Verwaltung, für den Magerrasen Ersatzflächen insbesondere auf den Deponien am Eichelbuch und in Neuenburg auszuweisen. Ich halte das für eine gute Lösung und zwar auch angesichts der kürzlich eingegangenen Stellungnahme des NaBu. Eine Ausgleichsfläche ist ein Ersatz, und ein Ersatz ist ein Ersatz und nicht das Original. Aber es ist auch keine „Mogelpackung“, solange diese Ausgleichsflächen den gesetzlichen Vorschriften zum Ausgleich verlorengehender Lebensräume für Flora und Fauna entsprechen.

Erfreulich ist auch, dass der Sportclub und die Universität in Gespräch kommen wegen der möglichen Doppelnutzung im Stadion-Mantel. Die Bewirtungsräume des SC können unter der Woche als Mensa für die Studenten fungieren. Parkplätze können geteilt werden, vielleicht findet sich eine zukunftsweisende Energieversorgung des Gesamtareals.

III. Wir hier im Gemeinderat treffen die Entscheidung über ein neues Stadion im Westen nicht aus der Sicht des Sportclubs. Unser Maßstab sind die Interessen der Stadt Freiburg. Und dabei sind aus meiner Sicht heute drei Fragen von Bedeutung, die untereinander zusammenhängen:

  • Ist das Investitions- und Finanzierungskonzept, das die Verwaltung vorgelegt hat, plausibel und belastbar?  Welche Belastungen und Risiken entstehen dadurch für die Stadt Freiburg?
  • Welche Bedeutung hat der SC für die Stadt Freiburg und ist – in der Gesamtschau mit anderen Projekten und Aufgaben – das finanzielle Engagement berechtigt.
  • Und zum Schluss: Welche Bedeutung hat das Engagement für das neue Stadion für den städtischen Haushalt? Werden dadurch möglicherweise andere wichtige oder gar prioritäre Maßnahmen gefährdet?

1. Ich halte das Investitions- und Finanzierungskonzept, das die Stadtverwaltung vorgelegt hat, für solide und risikoarm:

Die Stadt schlägt eine Konstruktion vor, in der der Sportclub verantwortlich für die Finanzierung des Stadions selbst ist  und die Stadt für Erschließungsmaßnahmen und Infrastruktur.

Bau und Finanzierung des Stadionkörpers
Dazu wird eine städtische Objektträgergesellschaft gegründet, die Bauherrin und Eigentümerin des Stadions ist, und in die die Stadt das Grundstückeinbringt. Die Kosten des Stadions selbst einschließlich der Nebenanlagen werden auf 70 Mio geschätzt. Mit einem Aufwand in dieser Größenordnung war zu rechnen, es entspricht dem Betrag, den die damaligen Gutachter auch für einen kompletten Neubau am alten Standort ermittelt hatten. Die ursprüngliche Kostenschätzung eines auf diesem Gebiet erfahrenen Büros ist  noch einmal durch ein weiteres Büro plausibilisiert und dann mit einem Sicherheitszuschlag von 5% ergänzt worden.

Finanziert werden die 70 Mio. durch eine Einlage des Sportclubs, der als stiller Gesellschafter an der Gesellschaft beteiligt ist und 15 Mio. als Einlage zuschießt. Für jedes Jahr der weiteren Zugehörigkeit zur 1. Bundesliga erhöht sich die Einlage um eine weitere Million bis zu einem Höchstbetrag von 20 Millionen. Das ist ein absolutes Novum in der gesamten Bundesliga, dass ein Verein einen derartigen Beitrag zur Finanzierung eines Stadions leistet. Dass solche Rücklagen gebildet werden konnten, ist ein gewichtiges Indiz für die solide Haushaltsführung des SC, die weiter benötigt wird, wenn es gilt, den Kredit für den Stadionkörper abzuzahlen.

Eine weitere Einlage in die Gesellschaft soll durch den Zuschuss des Landes Baden-Württemberg erfolgen. Wir haben gute Grüne, mit einem Betrag von (11 Mio. zu rechnen). Der Rest wird über Kredite finanziert. Die Stadt übernimmt eine Bürgschaft in Höhe von 80% der Kreditsumme, was die Voraussetzung dafür ist, dass ein Verein überhaupt einen Kredit in dieser Höhe und mit dem angenommenen Zinssatz erhält. .

Der SC mietet das Stadion, er übernimmt – wie beim bisherigen Stadion auch – die komplette Instandhaltung und zahlt in der 1. Bundesliga zusätzlich 3,8 Mio. Pacht pro Jahr an die Objektträgergesellschaft, in der 2. Bundesliga 2,5 Mio. Das Risiko der Stadt beginnt, sollte der Sportclub – was die Fußballgöttin verhüten möge – aus der 2. Bundesliga absteigen. Auch dann setzt die Haftung der Stadt für die mit den Banken vereinbarten Kreditzinsen erst dann ein, wenn die Liquidität der Objektträgergesellschaft nicht ausreicht, um die Zinslast zu bedienen. Bilanziell werden die Zinsen gegen das Eigenkapital gefahren, solange bis das aufgebraucht ist und die bilanzielle Überschuldung der Gesellschaft droht. D.h. die Stadt ist dann in der Haftung, wenn es dem Sportclub nicht gelingen sollte, in dieser Übergangszeit wieder den Anschluss zu finden. So etwas kann geschehen, ist aber bei einem Verein, der zutiefst solide wirtschaftet und seit 36 Jahren in der 1. und 2. Bundesliga spielt, sehr unwahrscheinlich.

Nur als Anmerkung: Mit dem Fall Alemannia Aachen ist der Stadionneubau hier in Freiburg aber auch gar nicht vergleichbar. Die Misere von Alemannia Aachen beruht nachweislich auf Misswirtschaft, möglicherweise sogar auf strafbaren Handlungen der Verantwortlichen und einem exorbitanten Zinssatz, der letztendlich dem Verein dort das Genick gebrochen hat.

Erschließungsmaßnahmen und Infrastruktur
Die Kosten der Infrastruktur, die die Stadt Freiburg zu finanzieren hat, sind mit netto 38 Millionen ermittelt worden. Eine Überprüfung der Berechnung, soweit uns das möglich ist, ergibt, dass die Kosten sehr verantwortlich gerechnet wurden: Alle Ermittlungen wurden noch einmal durch Externe plausibilisiert,  mögliche Kostensteigerungen innerhalb des Umsetzungszeitraums wurden berücksichtigt, es gibt einen zusätzlichen Zuschlag für unvorhergesehenes von 10%. Für uns als Grüne ist vor allem auch wichtig, dass die voraussichtlichen Kosten für naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen auskömmlich gerechnet wurden. Dafür sind in der Berechnung 5,5 Millionen angesetzt, davon allein 2,5 Mio. für den Ausgleich des Magerrasens.

Die gesamte Konstruktion ist mit dem Regierungspräsidium abgestimmt worden.  Ich möchte mich an dieser Stelle auch ausdrücklich bei der Beteiligungsverwaltung, hier insbesondere Herrn Zähringer, bedanken, der wahrscheinlich arbeitsreiche Wochen hinter sich hat. Natürlich beruhen diese Zahlen auf Schätzungen. Es schätzen aber Leute mit Erfahrung, die für solche Projekte Verantwortung tragen. Wie wir auch jüngst etwa bei der Sanierung der Leo-Wohlleb-Brücke oder der Sanierung der Stadtbahn am Bertoldsbrunnen gesehen haben, ist die Bauverwaltung, insbesondere auch die Tiefbauverwaltung durchaus in der Lage, sehr komplexe Projekte zeitlich und finanziell ohne größere Überschreitungen abzuwickeln. Beidesmal wurde es bei diesen Projekten, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, eine Punktlandung hingelegt. Ich halte die Investitions- und Finanzierungsvorschlag, den die Verwaltung jetzt für eines neues Stadion am Wolfswinkel und die von der Stadt zu leistenden Erschließungs- und Infrastrukturmaßnahmen vorlegt, für eine gute Grundlage für unsere Entscheidung und  für den kommenden Bürgerentscheid.

2. In der Gesamtschau der städtischen Aufgaben ist es richtig, dem Sportclub dabei zu helfen, im Wettbewerb mit anderen Fußballvereinen den Anschluss an die Bundesliga zu erhalten.

Fußball ist die Sportart in Deutschland, die die meisten ZuschauerInnen anzieht und deshalb natürlich auch die größte Beachtung in den Medien erfährt. Als ich 2001 zusammen mit der Freiburger Delegation im Iran war, wo der Vertrag über die Städtepartnerschaft mit der Stadt Isfahan geschlossen werden sollte, kannten die Leute auf der Straße, die uns auf Englisch oder Französisch oder Deutsch angesprochen haben, die Bundesliga. Und sie kannten natürlich auch den Sportclub, seinen Trainer und viele Spieler (Ferydoon Zandi). Für eine Stadt in der Größenordnung wie Freiburg, die nicht von Industrieunternehmen lebt, sondern von Dienstleistung und Tourismus, ist ein Erstligaverein mit dem positiven Image des SC – solide, bodenständig, heimatverbunden, klein, aber besonders – wie ein Sechser im Lotto.

Nicht alle Menschen in Freiburg gehen ins Stadion, ich auch sehr selten. Trotzdem ist mir bewusst, welche Bedeutung der Sportclub für die Menschen in Freiburg und in der Region für die Identifikation mit ihrer Stadt darstellt. Und ich habe das schon einmal an dieser Stelle gesagt:  Ich halte den Fußball auch für eine große kulturelle Erzählung. Es geht nicht nur um sportliche Höchstleistung oder um hohe Gagen für die Stars auf dem Rasen, sondern auch um Werte und um große Emotionen, um Kameradschaft, Teamgeist, Fairness und Hinterlist, siegen und verlieren können. Fußball ist eine der wenigen kulturellen Großveranstaltungen, bei denen sich Menschen aller sozialen Schichten, jung und alt, mit oder ohne Migrationshintergrund, hier in Freiburg auch durchaus nicht nur Männer, sondern auch viele Frauen treffen, miteinander leiden oder sich freuen, einfach das gleiche Feuer tragen. Und wenn ich mich an meine Stadionbesuche erinnere und mir dann einfällt, welche charakterlichen Veränderungen mit eigentlich völlig friedfertigen Fraktionskollegen auf der  Zuschauerbank vor sich gehen können, denke ich, dass die Triebabfuhr, die mit Bundesliga-Spielen einhergeht, kaum überschätzt werden kann.

Der SC ist kein normaler Profi-Verein. Da ist zum einen die Jugendarbeit. Weil der SC eben keinen Großsponsor hat und auch nicht haben will wie etwa Gasprom oder SAP, der gigantische Summen in Spielerkäufe investiert, haben Achim Stocker, Henry Breit, Volker Finke und Andreas Bornemann (ich hoffe, ich habe keinen vergessen) damals das Konzept der Freiburger Fußballschule entwickelt. Der Verein hat damals aus eigenem Geld 20 Mio. DM in die Modernisierung und den Ausbau der maroden Anlage gesteckt. Genauso wie das Freiburger Theater quasi als Durchlauferhitzer für neue Talente funktioniert, zieht der SC so auch eigene Spieler heran – um sie dann später an große Vereine abzugeben, wenn´s klappt gegen gute Ablösesummen, was dann wieder zu Gewerbesteuereinahmen der Stadt führt.

Der SC ist für den Jugendfußball in der gesamten Region unverzichtbar. Mit den Einnahmen der Profiabteilung unterstützt der Sportclub Vereine vom Nordschwarzwald bis hinunter an den Bodensee und liefert neben Geld vor allem auch Know-how. Ganz nebenbei werden damit auch die Talente aus der Region herangezogen. Anders auch wie in anderen Vereinen führt der Frauenfußball kein Schattendasein. Andere Vereine ziehen sich aus dem Frauenfußball zurück, beim SC fließen jährlich mehr eine Mio. Euro dorthin, und zwar ebenfalls wieder aus dem Ergebnis der  Profi-Abteilung. Und wenn Henry Breit berichtet, wie sich bei den Füchsle-Treffen nicht nur Jungs, sondern auch Mädchen mit leuchtenden Augen treffen, dann ist das ein Ergebnis der Jugendarbeit des Vereins.

Und ganz prosaisch: Der Sportclub ist ein Arbeitgeber mit 300 Beschäftigten, der hier ganz normal seine Lohnsteuer abliefert. Der Verein gehört zu den großen und verlässlichen Gewerbesteuerzahlern der Stadt. Der ehemalige Schatzmeister und nunmehrige Aufsichtsratsvorsitzende gibt die durchschnittlichen Gewerbesteuerzahlungen des Vereins in den letzten vier Jahren mit jährlich 1,6 Mio. Euro an. Tendenz steigend.

Es ist ein Verein wie unsere Stadt. Die kleine Großstadt Freiburg, die versucht, mit exzellenten Bildungseinrichtungen, allen voran die Universität, oder als Green City auf internationalem Parkett mitzuspielen, und sich dann durch Leistung und Innovation einen Namen macht.

3. Und nun zur letzten Frage, die viele Menschen in Freiburg bewegt: Laufen wir nicht Gefahr, dass durch 38 Mio. Belastung für den städtischen Haushalt andere wichtige Projekte gefährdet werden? Die Sanierung der Schulen? Der Ausbau der Kinderbetreuung? Der inklusionsgerechte Umbau der Stadt? Die Zuschüsse für die kulturellen Einrichtungen? Sind 6 Mio. Euro pro Jahr – so hat die Verwaltung die Verteilung des städtischen Beitrags gerechnet – über drei Doppelhaushalte für den Haushalt der Stadt tragbar?

Der städtische Haushalt ist leistungsfähig.
Wir haben in den letzten 8 Jahren 200 Mio. Euro in die Sanierung der städtischen Infrastruktur investiert, dabei vor allem in die Schulbauten. Wir haben gleichzeitig rund € 120 Mio. Schulden zurückgeführt. Darin eingerechnet sind die 35 Mio., die wir für den Einstieg in das Kommunale Versorgungswerk aufbringen mussten. Diese Schulden haben wir jahrelang vor uns hergeschoben und dann in nur vier Jahren abbauen können, ohne dass es die Öffentlichkeit groß bemerkt hat. Dabei waren die Haushaltspläne, die die Verwaltung uns vorgelegt hat, immer konservativ gerechnet. Sie erinnern sich vielleicht: Im vorletzten Doppelhaushalt war eine Neuverschuldung von 40 Mio. angesetzt, im letzten Doppelhaushalt hatten wir insgesamt 12 Mio. globale Minderausgaben – zu Deutsch: Luftbuchungen. Beide Doppelhaushalte sind mit Plus abgeschlossen worden bzw. der laufende wird mit Plus abschlossen werden. Deshalb schrecken mich die 15 Mio. Kreditaufnahme nicht, die der kommende Haushalt dem Vernehmen nach für 2016 vorsieht. Das liegt an den Investitionen in die Schulen, an dem städtischen Anteilen für die Stadtbahnen am Rotteckring und zur neuen Messe, das liegt daran, dass der Verwaltungshaushalt weniger zu den Investitionen beitragen kann, weil die Personalausgaben steigen und wir beträchtliche Mehrausgaben für die Kinderbetreuung haben. Mit der Finanzierung der Infrastruktur für das neue Stadion hat das nichts zu tun. Baubeginn wird voraussichtlich erst 2017 sein, im kommenden Doppelhaushalt sind dafür nur Planungskosten von 3 Mio. Euro eingestellt.

38 Mio. sind viel Geld, aber angesichts der Leistungskraft der Stadt auch nicht dramatisch. Nur um die Größenordnung klarzumachen: die Zuschüsse der Stadt, die jährlich ans Theater fließen betragen 14 Mio. In zweieinhalb Jahren wäre damit die Infrastruktur am Wolfwinkel finanziert. Aber ich denke nicht daran, das Theater abzuschaffen oder die Zuschüsse zu kürzen. Und ich möchte mir die Stadt auch nicht ohne den Sportclub vorstellen. Die großen Fraktionen im Gemeinderat sind einig darüber, dass die Sanierung der Schulbauten und der Ausbau der Kinderbetreuung vorrangige Ziele der Stadt sind. Wir werden wie geplant die Schulen sanieren, allen voran die Staudinger Schule, wir werden das Rettungszentrum  Schritt für Schritt ausbauen und auch das Augustinermuseum. Dass das Museum möglicherweise langsamer saniert wird als geplant liegt, vor allem daran, dass die Kosten im dritten Bauabschnitt explodieren. Da geht es um die Sanierung des alten Klostergebäudes. Was für ein Glück, dass das neue SC-Stadion kein Altbau ist.

In der Haushaltspolitik gilt jedoch – wie überall der Grundsatz: Die Zukunft ist ungewiss. Falls es dann doch eng wird, werden wir diese Vorhaben nicht zurückstellen. Wir werden auch nicht die Zuschüsse an soziale und kulturelle Einrichtungen kürzen, um die Infrastruktur am Wolfswinkel zu finanzieren. Wir werden dann, auch wenn mir das wenig gefällt, die Zahlungen für die neue Infrastruktur im Westen durch die Aufnahme neuer Schulden finanzieren müssen. Und damit auch erstmals den Masterplan verlassen. Wohlgemerkt: nur für die Finanzierung von Investitionsmaßnahmen, keinesfalls für konsumtive Ausgaben. Aber noch spricht alles dagegen, dass wir überhaupt jemals in eine solche Situation geraten..

(Dem Antrag der Unabhängigen Listen, den die Ausgabe Infrastrukturmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Bau des neuen SC Stadion auf jährlich 3.000.000 Euro zu begrenzen, werden wir ablehnen. Wir möchten uns nicht in dieser Form binden. Die Ausgaben sollten, wenn immer das geht, dann beglichen werden, wenn sie anfallen und der Haushalt das hergibt, ohne wichtige andere Investitionen zu gefährden.)

Nach Abwägung all dieser Überlegungen ist meine Fraktion geschlossen der Auffassung, dass wir heute den Grundsatzbeschluss zum Bau eines neuen Fußballstadions im Wolfswinkel treffen sollen. Es ist eine zukunftsweisende Investition in die Infrastruktur der Stadt, die nicht nur den Sportfans, sondern der Stadt insgesamt, nicht zuletzt auch der Infrastruktur der Stadtteile im Westen und der Universität zugutekommt.

Man kann in der Abwägung durchaus zu einem anderen Ergebnis kommen. Wer aber heute nicht ja sagt, beispielsweise weil er Gefahren für die Ruhe im eigenen Stadtteil sieht, weil er die Belastung des städtischen Haushaltes nicht mittragen will oder weil ihm der Schutz des Magerrasens nicht ausreichend erscheint, stimmt damit gegen die Konkurrenzfähigkeit des Sport-Clubs in der Bundesliga. Es geht schlicht um die Zukunft des Bundesligafußballs in Freiburg. Auch die Beteuerungen, dass man natürlich für den Sportclub ist, aber nicht an diesem Standort, sind schlicht scheinheilig. Es gibt keinen anderen geeigneten, finanzierbaren und ökologisch vertretbaren Standort im Stadtgebiet. Und auch die nette Variante, zwar dem Standort im Wolfswinkel  zuzustimmen, aber nicht dem Finanzierungskonzept, wie das offenbar einige Kolleginnen und Kollegen angekündigt haben, ist bestenfalls naiv. Man muss das Richtige nicht nur wollen, sondern man muss es auch finanzieren. Und ohne städtische Beteiligung wird es nicht gehen.

Ich habe schon mehrfach erklärt, dass ich kein Fußballfan bin, ich liebe die italienische Oper – was vom Fußball wohl weniger weit entfernt ist, als manch einer denkt. Aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir mit der Zustimmung zum Bau eines neuen Stadions im Wolfswinkel das Richtige für die Stadt Freiburg tun. Und ich hoffe, dass die Freiburger Bürgerinnen und Bürger das ebenso sehen und am 1. Februar mit „ja“ stimmen.

Ich beantrage namentliche Abstimmung.

Verwandte Artikel