„Der Bau von zusätzlich 20 Wohnungen wiegt die Nachteile nicht auf.“

Gerhard Frey: Rede zum TOP 13 der Gemeinderatssitzung am 21.06.2016 zum Thema: „Breisacher Hof“: a) Beschluss des Aufsichtsrats der Freiburger Stadtbau GmbH vom 09.05.2016 zum Erhalt der Gebäude 2f und 2g; b) Weiteres Vorgehen bei der Mehrfachbeauftragung; c) Information über die Aufwertung des Bolzplatzes Berliner Allee/Ensisheimer Straße

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrter Herr Baubürgermeister ,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir haben am 2. Februar im GR die Neubebauung des abgerissenen Gebäudes 2h und angrenzender Flächen mit einem Bauvolumen von rund 3.900 m² Wohnfläche beschlossen.

In diesem Kontext wurde auch von meiner Fraktion nochmals die Frage aufgeworfen, ob es Sinn macht, die Nachbargebäude 2f und 2g zu erhalten, oder ob es nicht sinnvoller wäre, auch diese Gebäude mit dem Ziel, mehr Wohnraum an dieser Stelle zu schaffen, abzureißen. In einer Anfrage zusammen mit der SPD-Fraktion haben wir diese Fragestellung im März nochmals konkretisiert.

Stadtrat Gerhard Frey

Stadtrat Gerhard Frey (Bild: Britt Schilling)

Wir waren uns im Vorfeld der heutigen GR-Sitzung in meiner Fraktion einig, dass die Antworten der FSB im Aufsichtsrat der Stadtbau und die Antworten der Verwaltung auf unsere Fragen ausreichend sind, um jetzt zu einer Entscheidung zu kommen.

Und um es vorweg zu nehmen, meine Fraktion hat mehrheitlich gegen einen Abriss und eine Neubebauung der Flächen von 2f und 2g votiert.

Warum?

Entgegen der Wahrnehmung von Bewohnern und auch Mitgliedern meiner Fraktion ist die Bausubstanz der beiden Gebäude laut Gutachter noch weitgehend intakt. Ein Abriss ließe sich aus diesem Grund nur rechtfertigen, wenn durch einen Neubau ein deutlicher Mehrwert entsteht, der auch den Verbrauch der sogenannten „grauen Energie“ rechtfertigen würde.

20 Wohnungen mehr in einem Neubau als im Bestand sind zwar ein solcher Mehrwert, aber unsere Überlegungen, durch eine Arrondierung der Bauflächen die Zahl zusätzlicher Wohnungen weiter zu erhöhen, ist leider nicht realisierbar.

(Wollte man im Breisacher Hof tatsächlich mehr zusätzlichen Wohnraum schaffen, müsste man die Fläche in Gänze mit einem Bebauungsplan neu überplanen. D.h. der GR ginge zurück auf „los“ ins Jahr 2009 und würde nochmals von vorne beginnen. Das macht keinen Sinn, und das Ergebnis wäre vermutlich das Gleiche.)

Die Stadtbau hat uns zudem plausibel vorgerechnet, dass eine Sanierung der Bestandsgebäude wirtschaftlicher ist – trotz mehr Wohnflächen in einem Neubau. Die Unwirtschaftlichkeit gilt auch für einen frei finanzierten Mietwohnungsneubau. Hauptursache sind – neben den höheren Baukosten für einen Neubau gegenüber einer Sanierung – die bei einem Neubau zu schaffenden Stellplätze in einer Tiefgarage, während bei einer Sanierung die Thematik der Stellplätze komplett entfällt.

Ein drittes Argument wurde in unserer Fraktion durchaus auch stark gewichtet. Das Gebäudeensemble mit den nach meiner Wahrnehmung baugleichen Wohnkasernengebäuden aus den Jahren um 1910 ist das letzte Militärensemble aus dem 20. Jahrhundert in Freiburg. Und es hat durchaus seinen baulichen Charme, vor allem mit der großen Innenhoffläche. Eine Neubebauung der Gebäude 2f und 2g würde den historischen Ensemblecharakter unwiederbringlich verschwinden lassen.

Fazit: Der Bau von zusätzlich 20 Wohnungen bei einem Abriss und Neubau der Gebäude 2f und 2g wiegt die genannten Nachteile nicht auf.

Meine Fraktion hofft nun, dass es mit dem bereits beschlossenen Neubau 2h nach der Mehrfachbeauftragung bald losgeht, und dass direkt im Anschluss die beiden Nachbargebäude saniert und neu vermietet werden.

Vielen Dank

Verwandte Artikel