Grüne setzen Geschlechtergerechtigkeit im Kulturbereich auf die Tagesordnung

Die Gemeinderatsfraktionen von Grünen und JPG beantragen das Thema  Geschlechtergerechtigkeit im Kulturbereich in den Blick zu nehmen. Eine Studie zu Frauen in Kultur und Medien in Deutschland aus dem Jahre 2016 hat einen klaren Gender Pay Gap und einen niedrigen Frauenanteil in Führungspositionen festgestellt. „Es ist wichtig, dass die Stadt Freiburg sich mit dem Geschlechterverhältnissen in allen Bereichen beschäftigt“, so Stadträtin Pia Federer. „Es gibt in Freiburg noch keine Auseinandersetzung mit der Geschlechtergerechtigkeit im Kulturbereich, und deswegen fordern wir von der Verwaltung klare Zahlen zum Thema ein.“

Geschlechtergerechtigkeit im Kulturbereich – Antrag nach §34 Gemeindeordnung zur Tagesordnung des Gemeinderats

Sehr geehrter Oberbürgermeister Horn,

Der Deutsche Kulturrat hat 2016 eine umfassende Studie zu Frauen in Kultur und Medien veröffentlicht. Diese Studie zeigt, dass es im Kulturbereich mit Geschlechtergerechtigkeit nicht weit her ist. So gibt es auch im Kulturbereich einen klaren Gender Pay Gap, so sind Frauen auch im Kulturbereich deutlich unterrepräsentiert, was Führungspositionen anbelangt. 

Stadträtin Pia Maria Federer

Stadträtin Pia Maria Federer (Bild: Britt Schilling)

Fraktionsvorsitzende Maria Viethen

Fraktionsvorsitzende Maria Viethen (Bild: Britt Schilling)

Ein gutes Beispiel ist die Filmförderung. Eine 2017 veröffentlichte Studie von der Filmförderungsanstalt(FFA) zeigt, dass nur die Hälfte aller Filmhochschulabsolventinnen in ihrem Beruf arbeiten. Obwohl 44% der AbsolventInnen im Fach Regie Frauen sind, waren 2011-2015 nur 23% der RegisseurInnen weiblich. Und diese Regisseurinnen bekommen deutlich weniger Fördermittel. Die durchschnittliche Förderung für einen Film mit einer Regisseurin betrug 2009-2013 circa 660.000 Euro, wohingegen Filme männlicher Regisseure durchschnittlich über 1.000.000 Euro Förderung bekamen. An der Qualität liegt es nicht: Filme von Frauen erhalten häufiger Filmpreise und laufen erfolgreicher und häufiger auf Festivals. Mittlerweile kann die Initiative „Pro Quote Film“ auf erste Erfolge blicken: Die FFA hat begonnen, ihre Gremien paritätisch zu besetzen und die ARD hat eine 20% Zielvorgabe für Regisseurinnen beschlossen.

Was hier exemplarisch an Geschlechterungleichheit für den Filmbereich dargestellt ist, gilt auch für andere Sparten. Detaillierte Zahlen, die die Geschlechterungleichheit in den Bereichen Theater, Musik, Literatur und Kunst. Belegen, finden sich z.B. in der obengenannten Studie des Kulturrates.

Aus unserer Sicht gilt für den Kulturbereich das gleiche wie für andere Bereiche der Gesellschaft. Geschlechterunterschiede wie die oben beschriebenen erklären sich nicht durch eine vermeintliche schlechtere Qualität weiblicher Kandidatinnen oder ihrer künstlerischen Arbeit, sondern durch Machtstrukturen im jeweiligen Bereich. Als Kommune haben wir die Möglichkeit unsere Kulturförderung auch danach auszurichten, ob Ziele der Geschlechtergerechtigkeit erreicht werden oder Berücksichtigung finden. Wir beantragen daher das Thema „Geschlechtergerechtigkeit im Kulturbereich“ in der Kommission für Gleichstellung, dem Kulturausschuss und dem Gemeinderat aufzusetzen und im Rahmen einer Drucksache insbesondere zu folgenden Fragen Stellung zu beziehen:

  1. Wie hoch ist der Frauenanteil an den Beschäftigten in den städtischen Kultureinrichtungen und den größeren durch städtische Zuschüsse geförderten Einrichtungen mit denen Zielvereinbarungen abgeschlossen wurden, aufgeschlüsselt nach Funktion bzw. Stelleneinstufung/Gehaltsklasse?
  2. Wie stellt sich das Geschlechterverhältnis bei den Antragsteller*innen eingereichter bzw. geförderter Anträge bei verschiedenen Förderlinien des Kulturamts (z.B. Tanz/Theater/kulturelle Bildung usw.) aus?
  3. Wie sind die Jurys im Geschäftsbereich des Kulturamtes, die über Mittelvergaben und Kulturpreise entscheiden, zusammengesetzt?
  4. Welche Maßnahmen ergreift das Kulturamt/Kulturdezernat um eventuelle Ungleichgewichte bei Fragen 1,2 und 3 zu adressieren.
  5. Welche Erkenntnisse liegen bei Popsupport Freiburg/FTWM Cluster Kreativwirtschaft/Kulturamt zum Thema Geschlechtergerechtigkeit bezüglich des Bereichs Populärer Musik vor, insbesondere was Auftrittsmöglichkeiten, Proberaumsituation und Förderung anbelangt?

Mit freundlichen Grüßen

Maria Viethen
Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen

Monika Stein
stellvertretende Fraktionsvorsitzende JPG

Pia Federer
Stadträtin Bündnis 90/Die Grünen

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