Citylogistik: Lastenrad statt Lieferwagen!

Lastenräder sind nicht nur im Privaten eine gute Sache. Sie können auch in der Zukunft den Lieferverkehr entlasten und umweltfreundlicher machen. Die Grüne Gemeinderatsfraktion hat daher im letzten Haushalt Mittel für ein städtisches Citylogistik-Konzept eingestellt und nun das Thema mit Expert*innen und Gästen diskutiert.

Der städtische Lieferverkehr nimmt immer mehr zu: Für 2021 werden allein über vier Milliarden Paketsendungen erwartet – eine Zunahme von über 30 % in fünf Jahren. Das führt zu einer einer stärkeren Luftbelastung und macht die Stadtkerne unattraktiver. Lastenräder können hier eine gute Alternative sein. Das Bundesverkehrsministeriums sieht laut einer Studie die Möglichkeit, fast ein Viertel der Fahrten auf das Fahrrad zu verlagern. Besonders auf der letzten Meile der Transportkette kann so der Lieferverkehr umweltfreundlicher gestaltet werden. Das macht nicht nur unsere Städte sauberer und attraktiver, sondern kann auch dem Einzelhandel neue Chancen im Wettbewerb mit dem Onlinehandel bieten.

Die Grüne Gemeinderatsfraktion Freiburg hat im städtischen Haushalt 2019/20 Mittel eingestellt, um in Zusammenarbeit mit Einzelhandel, Stadtverwaltung und (Rad)-Logistikunternehmen ein lastenradbasiertes City-Logistik Konzept auszuarbeiten. Auf einer Veranstaltung der Grünen Fraktion diskutierten nun die stellv. Fraktionsvorsitzende Nadyne Saint-Cast, Bürgermeister Prof. Martin Haag, die Logistikexpertin Dr. Manuela Bauer aus Stuttgart und Christoph Hammann-Kloss von VeloKurier Radlogistik die Potentiale für Freiburg. Das größte Potential wurde dabei in den Einzel- und Expresslieferungen gesehen, die auch laut Hammann-Kloss gut in der Praxis umsetzbar sind. Die Diskussion machte aber auch deutlich: Das Thema Citylogistik ist komplex.

Dr. Manuela Bauer, Projektleiterin am Fraunhofer IAO im Bereich Urban Delivery Systems, betonte die Schwierigkeit in bestehende Prozesse einzugreifen. Für die Dienstleister ist der Übergang zur Lastenradlogistik mit großen Umstellungen verbunden. Da sich Lager zumeist außerhalb von Städten befinden, ist eine zweite Distributionsebene nötig, um Lasten auf Lastenräder umzuladen. Ein großes Problem sind hierbei die fehlenden Flächen, aber auch rechtliche Vorgaben und Sicherheitsaspekte. Lösungen können u.a. die kooperative Nutzung von Mikro-Depots (ähnlich KoMoDo in Berlin) oder die temporäre (Um-)Nutzung von privaten Flächen sein,  z.B. in Parkhäusern wie beim Projekt „Park_up“. In all diesen Fällen ist es aber notwendig, an einer gemeinsamen Lösung mit allen beteiligten Akteurinnen und Akteuren zu arbeiten.

Für einen Blick in die Praxis sorgte Christoph Hammann-Kloss, der Geschäftsführer von VeloKurier Radlogistik. Freiburgs einziger reiner Fahrradkurier wurde 2006 ins Leben gerufen und setzt neben Kurierdienstleistungen nun auch verstärkt auf die Lastenradlogistik. Lasten bis zu 300 kg kann der Betrieb mittlerweile transportieren . Durch die Flexibilität und Schnelligkeit (Lieferungen sind 30 min nach Auftragserteilungen am Zustellort möglich) ist VeloKurier konkurrenzfähig. Hammann-Kloss sieht daher in den Einzel- und Expresslieferungen das größte Potential für den Ausbau der Lastenradlogistik. Die Belieferung des Einzelhandels mit großen Lasten hält er jedoch (noch) für unwirtschaftlich.

Bürgermeister Haag sieht auch die Komplexität des Themas. Für ihn ist es wichtig, Konkurrenzfähigkeit herzustellen: „Es muss deutlich teurer werden, mit dem Auto und dem LKW zu fahren,“ so Haag. Konkret möchte die Stadt im ersten Schritt das Gespräch mit den Paketdienstleistern suchen und Flächen für Umschlagplätze prüfen. Auch sollen noch in diesem Jahr einige Lastenräder in das Frelo-Modell aufgenommen werden, um das Konzept in der privaten Nutzung zu stärken.

Auch für uns ist klar: Wir bleiben an dem Thema dran!

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