2012 besuchte die Grüne Fraktion Landwasser und informierte sich über den Zustand des Einkaufszentrums

Bebauungsplan Einkaufszentrum verabschiedet: „Ein guter Schritt für Landwasser“

Der Gemeinderat hat den Bebauungsplan für das Einkaufszentrum Landwasser beschlossen. In seiner Rede führt Timothy Simms aus, warum das insgesamt ein guter Schritt für den Stadtteil ist – auch wenn es durch die Grundwasser-Problematik leider Verschlechterungen gegeben hat.

Rede von Stadtrat Timothy Simms zu TOP 19 der Gemeinderatssitzung vom 28.07.2020: Bebauungsplan mit örtlichen Bauvorschriften „Stadtteilzentrum Landwasser“, Plan-Nr. 5-123 (Landwasser) – Beschleunigtes Verfahren nach § 13a Baugesetzbuch (BauGB)

Sehr geehrter Oberbürgermeister Horn,
Sehr geehrter Bürgermeister Prof. Haag,

Bild: Florian Forsbach

Der US-amerikanische Künstler Matthew Barney begann 1987 seine berühmte Serie Drawing Restraint. Also: Malen mit Einschränkungen, mit Hindernissen. Die Einschränkungen, die Hindernisse in seiner Videoserie sind physischer Natur. Matthew Barney muss mit dem Trampolin springen, um die Leinwand an der Decke zu erreichen, er muss gegen ein Bungeeseil in seinem Rücken ankämpfen, Tischen und Gegenständen ausweichen.

Das ist ein schönes Bild für Politik: Auch diese ist kein Wunschkonzert, sondern ist eingeschränkt, muss Hindernisse überwinden. Geld ist endlich, es gibt eine Rechtsordnung, die berücksichtigt werden muss und nicht zu letzt: Naturgesetze und die physische Realität. Eine Stadt ist eine solche physische, gebaute Realität. Mit letzteren Restraints haben deshalb vor allem unsere Planerinnen und Planer zu kämpfen. Es ist kein einfacher Kampf, möglichst vieles unter einen Hut zu bekommen. Das geht nämlich manchmal nicht. Nicht weil man nicht wollte, sondern weil es eben nicht geht.

Das Einkaufszentrum Landwasser ist hierfür ein gutes Beispiel. Ich habe das Projekt von Anfang an begleitet. Dass es überhaupt im Wettbewerb gelungen ist, alle wichtigen Handelsfunktionen – von der Verkaufsfläche bis hin zur Anlieferung in einem Geschoss unterzubringen UND einen halbwegs attraktiven öffentlichen Raum, das war auf der zur Verfügung stehenden Fläche kaum möglich. Dass im Zuge der Überarbeitung hier sogar noch Verbesserungen möglich waren – nämlich auf eine Anlieferung über den Platz der Begegnung zu verzichten – das hätte ich nicht erwartet. Da wurde echt ein guter Job gemacht.

Dass aber auch nach einem Wettbewerb weitere Restraints – Hindernisse – auftauchen, ist leider nicht auszuschliessen. In diesem Fall das Thema Grundwasser. Dieses hat dazu geführt, dass sich das Projekt und der öffentliche Raum leider deutlich verschlechtert haben. Die schöne Passage muss hochgelegt werden. Treppen und ein Aufzug sind die Folge. Verständlich, dass sich deshalb Widerstand regt. Ich hätte es mir auch anders gewünscht. Und ich kann die Kolleginnen von ESFA und SPD natürlich verstehen, dass sie diesen Wunsch auch nochmals als Antrag formulieren.
Wie damit umgehen? Ich habe mich sehr intensiv mit den Plänen beschäftigt. Aufgrund der ganzen Einschränkungen, der begrenzten Fläche, gibt es hier leider keine einfache Lösung. Und ich glaube: Auch keine komplizierte. Das haben die Vorberatungen deutlich gezeigt. Im übrigen: Der nun vorliegende Satzungsbeschluss entspricht nahezu zu 100% dem Offenlage-Beschluss, den vor einem Jahr der alte Gemeinderat getroffen hat. Übrigens mit überwältigender Mehrheit. Auch meine Fraktion hat damals zugestimmt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Neubau des Einkaufszentrum war eine der Kernforderungen aus den Stadtteilleitlinien. Wir freuen uns, dass nun bald das Projekt angegangen wird. Es entsteht zusätzlicher Wohnraum, es entsteht eine zukunftssichere Versorgung des täglichen Bedarfs in Landwasser, der Platz der Begegnung wird durch die Neubebauung und die angrenzende Gastronomie vermutlich deutlich attraktiver. Mit anderen Worten: Das ist ein großer Schritt für Landwasser. Das ist ein guter Schritt für Landwasser. Und das sollten wir nicht vergessen, auch wenn in einer Welt ohne Einschränkungen und Hindernisse vielleicht ein noch viel besseres Einkaufszentrum denkbar wäre. Ich bin allen Beteiligten dankbar dafür, dass Sie zumindest eine ganze Reihe dieser Einschränkungen und Hindernisse im Laufe des Prozesses überwunden haben – von der Anlieferung bis zum Unterbringen aller nötigen Handelsflächen. Vielen Dank!

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