Antrag

Häusliche Gewalt: Wie betroffen sind Kinder?

eingereicht am

17.6.2021

Laut Kriminalstatistik 2020 gehört Freiburg zu den Städten mit den höchsten Fallzahlen häuslicher Gewalt in Baden-Württemberg. Erfasst werden dabei die Gewalttaten gegen die/den Partner*in, Daten über betroffene Kinder fehlen. Dabei bleibt die miterlebte Gewalt selten ohne schwerwiegende Folgen. Wir beantragen daher, das Thema gesondert im Kinder- und Jugendhilfeausschuss zu behandeln.

Kinder als Betroffene von häuslicher Gewalt

Antrag nach §34 GemO zur Tagesordnung des Kinder- und Jugendhilfeausschusses

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Horn,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Buchheit,

in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 10.05.21 wurden im Rahmen der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2020 auch Daten zur häuslichen Gewalt bzw. der Partner*innengewalt zur Verfügung gestellt. Trotz leichtem Rückgang bei den Fallzahlen, gehört Freiburg im Land zu den Städten mit den meisten gemeldeten Fällen an Gewalttaten gegen den Partner oder die Partnerin. Erleben Kinder diese Gewalt mit, bleibt dies selten ohne Folgen. Negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, soziale Entwicklung oder die schulischen Leistungen sind einige Beispiele. Hinzu kommt, dass Kinder, die Gewalt direkt oder indirekt miterleben, nicht selten dieses Verhalten lernen und übernehmen und/oder als Erwachsene in eigenen Partnerschaften selbst Gewalt erfahren.

In der PKS wird lediglich die Partner*innengewalt erfasst, aber Daten zu betroffenen Kindern fehlen. Wir möchten uns daher dieser Problematik gern gesondert zuwenden. Dafür beantragen wir, das Thema „Kinder als Betroffene von häuslicher Gewalt“ noch in diesem Jahr auf die Tagesordnung des Kinder- und Jugendhilfeausschusses zu setzen und dabei schriftlich auf folgende Fragen einzugehen:

  1. Ist bekannt, bei wie vielen Fällen von häuslicher Gewalt Kinder direkt oder indirekt involviert sind? Wenn Daten vorhanden sind, geben Sie bitte die Fallzahlen direkter sowie indirekter (bzw. miterlebter) häuslicher Gewalt an Kindern an. Bitte gehen Sie, wenn möglich, hierbei auch zusätzlich auf Zahlen aus den entsprechenden Freiburger Einrichtungen (Frauen- und Kinderschutzhaus, FRIG u.ä.) und der Inobhutnahme ein.
  2. Falls vorhanden: Lässt sich anhand der Daten etwas zur Verteilung im Stadtgebiet, der Wohnsituation sowie zur finanziellen Situation der betroffenen Familien/Kinder sagen?
  3. Welche Maßnahmen werden/wurden eingeleitet und mit welchem Erfolg, um

    a) häusliche Gewalt in Familien möglichst frühzeitig und langfristig zu verhindern?
    b) betroffene Familien zu unterstützen, aus der Gewaltspirale auszubrechen?
    c) betroffene Kinder zu schützen sowie entsprechend sozialpädagogisch und therapeutisch zu begleiten?

  4. Welche sozialpädagogischen und therapeutischen Hilfen haben sich dabei besonders bewährt? Wann und wie greifen die Hilfen? Werden zusätzlich Hilfsangebote unter der Zielgruppe aktiv beworben? Wenn ja, wie?
  5. Welche zusätzlichen Maßnahmen sind künftig geplant, um der Problematik zu begegnen?

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

Anke Wiedemann, stellv. Fraktionsvorsitzende
Pia Maria Federer, Stadträtin
Annabelle Kalckreuth, Stadträtin