Hinter den Gärten in Tiengen: „Eine gute Grundlage für ein lebendiges Quartier am Tuniberg“

Beim Baugebiet „Hinter den Gärten“ in Tiengen prallen unterschiedliche Erwartungen aufeinander.  Aus unserer Sicht hat die Verwaltung einen guten Kompromiss gefunden, durch den dringend benötigter Wohnraum am Tuniberg entsteht.

Rede von Stadträtin Sophie Schwer zu TOP 9 der Gemeinderatssitzung vom 15.06.2021 „Bebauungsplan mit örtlichen Bauvorschriften ‚Hinter den Gärten‘ Tiengen“

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

dieser Bebauungsplan war mal wieder keine leichte Geburt, aber dieses Projekt wird nun einen wichtigen Beitrag zur Linderung der Wohnungsnot hier leisten. Beim Baugebiet „Hinter den Gärten“ geht es im Kern um das Austarieren unterschiedlicher Erwartungen. Aus dem Ortschaftsrat und von Tiengener Bürger*innen erreichen uns Appelle, weniger dicht und kleinere Baukörper zu bauen; der Bebauungsplan passe nicht zum dörflichen Charakter. Alles Argumente, die wir ernst nehmen. Gleichzeitig fordert die Erschließungsgemeinschaft mehr Dichte und ein Überschreiten von Grundflächen und uns alle hier im Gemeinderat treibt das Thema Flächenverbrauch um.

Stadträtin Sophie Schwer (Bild: Britt Schilling)

Mit Blick auf den Wohnraumbedarf ist eine hohe Dichte sinnvoll. Gleichzeitig kann ich nachvollziehen, dass in der Ortschaft die Entwicklung der geplanten Wohneinheiten von 160 bei der Aufstellung des Bebauungsplans zu nun 340-360 skeptisch betrachtet wird. Andererseits kann es auch nicht sein, dass in der Kernstadt nachverdichtet wird (ebenfalls keineswegs konfliktfrei – siehe Metzgergrün & Obergrün), dass mit Dietenbach ein sehr dichter neuer Stadtteil gebaut wird und in den Ortschaften keine Verdichtung stattfindet. Ausreichend benötigter Wohnraum wird nur entstehen, wenn alle ihren Beitrag leisten.

Es geht also um eine Abwägung unterschiedlicher Interessen. Und ich finde, diese ist der Verwaltung gelungen. Es entsteht dringend benötigter Wohnraum mit Geschosswohnungsbau und Doppelhäusern, eine Kita und auch Angebote für Pflegewohnen – für alle Generationen ist etwas dabei. Eine gute Grundlage für ein lebendiges Quartier am Tuniberg. Deshalb stimmen wir der Offenlage heute zu.

Ein Wort noch zum Änderungsantrag von FDP/BfF und FW: Die Anregungen der Erschließungsgemeinschaft wurden ausführlich schriftlich und im Bauausschuss diskutiert, die Verwaltung hat Gespräche geführt und in einer Ergänzungsdrucksache dargelegt, warum manche Anregungen übernommen werden konnten und andere nicht. Wir halten die dort aufgeführten Argumente für plausibel. Es hat sich auch gezeigt, dass es wenig zielführend ist, Vertretern von Investoren Rederecht im Bauausschuss einzuräumen. Investoren vertreten nicht das Gemeinwohl, dem wir als Stadträt*innen verpflichtet sind. Daher lehnen wir den Änderungsantrag, der einseitig die Forderungen der Erschließungsgemeinschaft übernimmt, ab.