Rede

„Klar für die Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe“

Eine lange Debatte um die richtige Schulform einer weiterführenden Schule am Tuniberg findet ihr vorläufiges Ende. Unsere Stadträtin Vanessa Carboni begründet, warum wir uns für eine Gemeinschaftsschule einsetzen. Zu ausgewählten Tagesordnungspunkten werden von der Stadt Tonmitschnitte der Reden im Gemeinderat bereitgestellt, so auch diese Rede.

Rede von Stadträtin Vanessa Carboni zu TOP 9 der Gemeinderatssitzung am 7.3.2023: Schulart Tuniberg – Grundsatzentscheidung

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Horn,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Buchheit,
liebe Ortsvorsteher*innen,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Anwesende,

Auf jeden TOP passt ein Deckel – und heute machen wir den Deckel drauf.

Denn vieles hat erstmal geköchelt. Zuerst ging es um die Bürgerbeteiligung. Dann um die Realisierbarkeit der Oberstufe. Und zu guter Letzt ging es um eine vermeintliche sinnvolle Kombination zweier Schulen als Schulverbund. Alle Sorgen und Themen wurden ernst genommen, zeitintensiv und mehrfach diskutiert und analysiert:

  • Die Bürgerbeteiligung hat klar gezeigt: Fast 55 % aller Befragten wünschen sich eine Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe, nur knapp 41 % stimmen für ein Gymnasium. Bei Familien mit Schulkindern war das Ergebnis noch eindeutiger. Es zeigt: Eltern haben Interesse an längerem gemeinsamem Lernen und individueller Förderung.
  • Und das Thema der Kombination zweier Schulen wurde auch intensiv bearbeitet und diskutiert. Es hat gezeigt: Sowohl pädagogisch als auch als wirtschaftlich nicht sinnvoll.
  • Und auch die Sicherheit der Oberstufe wurde klar aufgezeigt. Wenn die Zahl 60 steht, ist die Oberstufe gesichert, das ist ein Automatismus.  Die statistische Rechnung des staatlichen Schulamts zeigt klar, dass alleine nur durch die umliegenden Gemeinden schon die Zahl 60 geknackt wird (68) – ohne ein einziges Kind am Tuniberg. Es zeigt: Eltern können entspannt sein, die Oberstufe wird kommen. Ihre Kinder können dort dann in 9 Jahren zum Abitur kommen.

Wieso GMS?

Jetzt ist es Zeit endlich den Deckel drauf zu machen. Wir als Grüne Fraktion sprechen uns klar für die Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe aus. Sie ist ein wichtiger Baustein des Schulsystems, welcher per se inklusiv ist und besonders individuelle Förderung in den Mittelpunkt stellt und dabei offene Bildungswege ohne Barrieren ermöglicht – alles unter einem Dach! Sie hat jenseits von Schulnoten einen umfassenderen Begriff von Bildung, motiviert und unterstützt alle Kinder in ihrer differenzierten Persönlichkeitsentwicklung und hat den Vorteil, dass die Hausaufgaben an der Schule erledigt und damit nicht nur die Kinder, sondern auch Familien entlastet werden. Das bedeutet freie Abende mit Freund*innen, Familie und Vereinen! Nebenbei schaffen wir auch noch kurze Fahrwege.


Stadträtin Vanessa Carboni (Bild: Britt Schilling)

Ja die lange Vorberatung hat gezeigt, mache haben sicherlich unterschiedliche Vorstellungen davon, wie wir in unseren Schulen Bildung und Teilhabe bestmöglich umsetzen können. Dass wir ein Gymnasium nicht für die beste Lösung halten, liegt nicht an einer mangelnden Wertschätzung des Tunibergs. Im Gegenteil: Auch für uns ist für den Tuniberg eine weiterführende Schule unabdingbar und auch wir wollen, dass diese möglichst schnell kommt. Sie ist als infrastruktureller Baustein unabdingbar. Gerade junge Familien (und auch ich ganz privat) schätzen die nahe Lage zur Kernstadt und die umliegende Natur. Ob der Tuniberg eine weiterführende Schule anbieten wird, ist in Hinblick auf den Rahmenplan Tuniberg besonders für Familien und deren Zuzug entscheidend – und daher nicht verhandelbar, wenn man Stadtentwicklung ernst nimmt.

Aber manche betreiben ein durchschaubares Spiel: Wohlwissend, wie es um die finanzielle Situation der Stadt und die Planungskapazitäten in den beteiligten Ämtern aussieht. Gerade bei einer Fraktion, die ja nicht müde wird, die eigene finanzpolitische Solidität zu betonen und die den Finanzdezernenten stellt, hätte man hier Ehrlichkeit bezüglich einer schnellen Realisierbarkeit einer weiterführenden Schule am Tuniberg erwartet.

Wir sind ehrlich: Angesichts von Sanierungsstau z.B. bei den beruflichen Schulen, angesichts der geplanten Gemeinschaftsschule in Dietenbach und dem Ganztagsausbau, wird die Schule am Tuniberg sicherlich nicht in den nächsten vier Jahren gebaut. Und das sagen wir nicht, weil uns der Tuniberg nicht wichtig ist, sondern weil wir ehrlich kommunizieren möchten. Dass uns der Tuniberg nämlich am Herzen liegt, zeigt unter anderem ja auch unser aktueller Haushaltsantrag von 1 Million Euro für den Ausbau von Ganztagesschulen am Tuniberg.

Ich verstehe, dass nun erstmal diese lange Debatte um die Schulform verdaut werden muss. Und wie das so ist mit dem Kochen: Die einen mögen es schärfer, die anderen süßer – aber am Ende geht es darum, dass wir heute den Deckel drauf machen können und uns dann umso gestärkter auf die Realisierungszeitschiene fokussieren zu können. Ich bin absolut überzeugt davon, dass wir mit diesem Grundsatzbeschluss heute einen entscheidenden Baustein für gelebte Chancengleichheit legen und zu einer erfolgreichen Ausschöpfung der Bildungspotenziale unserer Gesellschaft!