Kein Einsatz von Totalherbizid Glyphosat

Pressemitteilung vom 07.08.2015

 

Gesundheitsgefährdendes Totalherbizid Glyphosat („Roundup“):
Kein Einsatz im unmittelbaren Zuständigkeitsbereich der Stadt Freiburg

GRÜNE schlagen weitere Optionen zum generellen Verzicht vor

Der weltweit am meisten eingesetzte Herbizidwirkstoff  „Glyphosat“ wurde vor wenigen Wochen von der WHO als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft. Vor diesem Hintergrund hatte die grüne Freiburger Gemeinderatsfraktion bei verschiedenen städtischen Dienststellen* vorsorglich nachgefragt, ob dort der Einsatz glyphosathaltiger Biozide (bekanntester Handelsname „Roundup“ von Monsanto) ausgeschlossen werden kann. Bekanntlich gilt seit mehr als 20 Jahren auf Initiative der damaligen grünen Gemeinderatsfraktionen ein weitestgehendes Anwendungsverbot für Pestizide im Einflussbereich der Stadt.

Nachdem die meisten Antworten jetzt eingegangen sind, stellen die GRÜNEN mit Erleichterung fest, dass im unmittelbaren Zuständigkeitsbereich der Stadt kein Glyphosat  zum Einsatz kommt.

Lediglich im Bereich stadteigener Liegenschaften bzw. Immobilien (sog. „Streubesitz“ oder Flächen, die im Rahmen von Pachtverträgen an private Dritte – z.B. zur landwirtschaftlichen Nutzung – vergeben sind), besteht bislang keine generelle Handhabe zum Ausschluss bestimmter Pflanzenschutzmittel – was jedoch im Umkehrschluss nicht heißen muss, dass dort solche Mittel auch tatsächlich zur Anwendung kommen. Kenntnisse hierzu liegen bei der Verwaltung nicht vor.

Um hier künftig jedoch auf „Nummer sicher“ zu gehen, hat die grüne Fraktion den OB um Prüfung gebeten, ob bei Neuabschluss, Verlängerung oder Ergänzung entsprechender Pachtverträge mit einer Zusatzklausel die Verwendung glyphosathaltiger Herbizide bzw. umweltgefährdender chemischer Pflanzenbehandlungsmittel/Pestizide generell ausgeschlossen werden kann (siehe Anlage).

Ähnliche Überlegungen hatten Verwaltung und Gemeinderat bereits vor über 20 Jahren konkret diskutiert (Gemeinderatsdrucksache G-94/204 vom 18.11.1994), jedoch aufgrund kritischer Rückmeldungen seitens Betroffener sowie Freiburger Ortschaften nicht zur Beschlussfassung gebracht.

Die GRÜNEN schlagen darüber hinaus vor, dass im Rahmen der städtischen Öffentlichkeits- und Beratungsarbeit darauf hingewirkt werden sollte, auch Dritte zum Verzicht auf die Verwendung von Glyphosat (oder anderer möglicherweise umwelt- und gesundheitsgefährdender Pestizide) zu bewegen und mit diesem Ziel auch auf den lokalen Groß- und Einzelhandel zuzugehen.

Hintergrund:

Glyphosat wird v.a. in der Landwirtschaft aber auch auf öffentlichen und privaten Grünflächen sowie im Gartenbau und in der Forstwirtschaft angewandt. Für derartige Pestizide gilt schon heute durch das Pflanzenschutzgesetz ein Anwendungsverbot auf befestigten Flächen zur Vermeidung wassergefährdender Abschwemmungen in Gewässer und Grundwasser – was sich in der Realität aber kaum kontrollieren lässt.

Neben dem gesundheitlichen Risiko für Menschen (Verdacht auf krebserregende Wirkung sowie auf Erbgutschädigung) und die Tierwelt führt die Eigenschaft von Glyphosat als Totalherbizid, das i.d.R. alle behandelten Pflanzen außer den gentechnisch resistent gemachten Nutzpflanzen abtötet, auch zu einem Rückgang der Biodiversität in unserer Kulturlandschaft.

Glyphosat-Rückstände wurden selbst im Urin von GroßstadtbewohnerInnen wie auch schon in Muttermilchproben gefunden, in einer Konzentration, die die Grenzwerte für Trinkwasser überschreitet – auch in der Stadt Freiburg.

* Garten- und Tiefbauamt, Forstamt, Freiburger Stadtbau, Eigenbetrieb Friedhöfe, Eigenbetrieb Stadtentwässerung, Gebäudemanagement Freiburg, VAG, Stiftungsverwaltung, Amt für Liegenschaften