„Weitere Empfehlungen des Steuerkreises müssen nun rasch umgesetzt werden“

Rede von Stadtrat Timothy Simms zu TOP 5 der Gemeinderatssitzung am 14.02.2017: Kultur- und Kreativwirtschaft

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Salomon,

sehr geehrter Herr Geschäftsführer Dr. Dallmann,

meine Damen und Herren,

die Überraschung war groß, als vor eineinhalb Jahren erste Zahlen zur Kultur- und Kreativwirtschaft in Freiburg im Steuerkreis Kultur- und Kreativwirtschaft der FWTM präsentiert wurden. 4.500 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, insgesamt 9.000 Beschäftigte, jedes zehnte Unternehmen in Freiburg kann dem Wirtschaftsbereich zugerechnet werden. Mit einer derart hohen wirtschaftlichen Relevanz hatten die Beteiligten – hatte auch ich – nicht gerechnet. Die Zahlen machen aber eines deutlich: Es ist schon alleine aufgrund der belegten wirtschaftlichen Bedeutung richtig, dass sich die Stadt Freiburg und die FWTM dem Thema Kultur- und Kreativwirtschaft zuwendet – später als andere Städte, aber immer noch rechtzeitig, um die Chancen zu ergreifen, die sich unserer Stadt bieten.

Stadtrat Timothy Simms

Stadtrat Timothy Simms (Bild: Britt Schilling)

Denn bisher lag das Thema zwischen den Stühlen. Die Kulturverwaltung fühlt sich nicht zuständig, wenn mit Kultur Geld verdient wird und ohne staatliche Zuschüsse operiert wird. Ich erinnere mich an eine Anfrage zu den Auswirkung der GEMA-Tarifänderungen auf Musikclubs, wo man sich mehr oder weniger für nicht zuständig erklärte. Insofern ist es nur gut, wenn die Bereiche, die vornehmlich nutzerfinanziert sind, stärker in den Focus der FWTM rücken, die ja z.B. mit dem Location Office bereits Filmproduktionen unterstützt. Ich denke auch der Bereich populäre Musik – Probenräume, ein immer wieder diskutiertes Popbüro wäre perspektivisch bei der FWTM vielleicht besser angesiedelt als bei der Kulturverwaltung.

Aber Kultur- und Kreativwirtschaft sind nicht nur ein wichtige Faktoren der wirtschaftlichen Entwicklung und des Kulturlebens einer Stadt. Sie sind auch wichtige Agenten einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung. Unsere Fraktion hat sich insbesondere mit diesem Aspekt in den letzten beiden Jahren in zwei Grünen Salons gewidmet. Die Bremer Zwischenzeitzentrale zeigte uns beispielsweise, wie man durch kluge Zwischennutzungen Impulse für Neuentwicklungen setzen kann. Auch Downtrading durch Leerstände kann durch Zwischennutzungsprojekte verhindert werden. Da die Kultur- und Kreativwirtschaft oft aus Kleinstunternehmen besteht, können auch temporäre Nutzungen ihren Beitrag zur Raumversorgung bieten. Wir hoffen, dass mittelfristig auch in Freiburg die Chancen ergriffen werden.

Vergangenen Herbst hatten wir Prof. Christa Reicher zu Gast. Die Architektin und Städteplanerin hatte viele Bespiele dafür, wie Kultur- und Kreativwirtschaft elementare Beiträge zur Belebung und Prägung von Stadtvierteln leisten kann. Auch das ein Thema für Freiburg – vom Umbau bestehender Viertel, z.B. dem Schildacker  bis hin zur Planung des neuen Stadtteils Dietenbach.

Vor ziemlich genau zwei Jahren hat die FWTM begonnen das Thema Kultur- und Kreativwirtschaft anzugehen. Mit großer Dynamik: Schon nach einem halben Jahr startete eine große Branchenbefragung mit einem sehr gut besuchten Auftakt im Jazzhaus. Die über 200 Besucher*innen waren begeistert, dass die Stadt sich endlich dem Thema annimmt. Sehr positiv wurde wahrgenommen, dass der Oberbürgermeister selbst die Veranstaltung eröffnete. Und im November gab es einen gut besuchten Workshoptag und die Auswertung der Branchenbefragung. Auch hier war das Engagement und die Energie in der Branche greifbar.

Weniger schön: Seit knapp einem dreiviertel Jahr hängt das Thema leider in der Luft. Der Steuerkreis hat klare Empfehlungen abgegeben und lange hat es gedauert, bis das Thema nun in die gemeinderätlichen Gremien kam. Leider nur in den Kulturausschuss und leider ohne die Empfehlungen des Steuerkreises. Weshalb wir Gemeinderäte ja die Behandlung extra beantragen mussten.

Wir wünschen uns, dass die Dynamik, die in der Branche greifbar ist, auch seitens Politik und Stadtverwaltung wieder aufgegriffen wird. Ein wichtiger Schritt dazu ist die Einrichtung einer Stelle bei der FWTM. Wir sind Herrn Geschäftsführer Dr. Dallmann sehr dankbar, dass er diese Stelle eingerichtet hat. Das kann aber nur ein erster Schritt sein. Die weiteren Empfehlungen des Steuerkreises müssen nun rasch umgesetzt werden.

Als zweiter Schritt muss nun rasch ein Beirat eingesetzt werden. Wir erwarten hier von der FWTM bald einen Vorschlag, der sich möglichst am erfolgreich arbeiteten Tourismusbeirat orientieren sollte. Denn dieser zeigt, dass es sehr sinnvoll ist, durch die Einbindung von Gemeinderäten einen direkten Austausch zwischen Politik und Wirtschaft zu institutionalisieren. In Folge wird es darum gehen, sich einzelne Teilbereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft genau anzuschauen. – Welche Bedarfe gibt es? Welche Chancen bestehen?

Und schlußendlich ein Handlungskonzept zu erarbeiten und die notwendigen konkreten Maßnahme und Schritte zu benennen, um die Kultur- und Kreativwirtschaft hier am Standort Freiburg optimal zu fördern. Dass Freiburg das Thema eher spät aufgreift, kann hier ein Vorteil sein: Vom Blick in andere Städte können wir viel lernen – was man richtig machen kann und was man besser sein lässt.

Sie wundern sich vielleicht, dass ich bislang nichts zum Kreativpark Lokhalle gesagt habe. Das hat einen Grund: Diese Maßnahme war bereits geplant, bevor die FWTM das Thema Kultur- und Kreativwirtschaft umfassend mit Steuerkreis und Branchenbefragung aufgegriffen hat und konnte daher natürlich die in diesem Prozess bislang deutlich gewordenen Probleme und spezifische Bedarfe der Kultur- und Kreativwirtschaft in Freiburg nicht voll umfänglich berücksichtigen. Mit dem Kreativpark Lokhalle entsteht nichtsdestotrotz dringend benötigter Raum für Gründer und Kreative in Freiburg und wir alle wünschen dem Projekt viel Erfolg.

Ich komme zum Schluss: In den letzten zwei Jahren ist Freiburg endlich das Thema Kultur- und Kreativwirtschaft angegangen. Angesichts der Bedeutung der Branche für die lokale Wirtschaft und der dynamischen Entwicklung der Branche bundesweit ist klar, dass dieser Prozeß fortgeführt werden muss. Es ist gut, wenn nun erste Schritte eingeleitet wurden. Aber das reicht nicht: Wir fordern die rasche Einrichtung eines Beirats und die Entwicklung eines Handlungskonzepts für die Kultur- und Kreativwirtschaft.

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