„Weitere Diskussion über die Absenkung der energetischen Baustandards erübrigt sich“

Rede von Stadtrat Eckart Friebis zu TOP 5 der Gemeinderatssitzung vom 25.07.2017: Gebäudeenergiestandards

Vor nicht einmal zwei Wochen hat die Landesregierung in einem aktuellen Bericht zu den Folgen des Klimawandels festgestellt, dass Freiburg in Baden-Württemberg Spitzenreiter ist beim klimabedingten Temperaturanstieg. Demzufolge ist bei uns seit 1950 die durchschnittliche Jahrestemperatur bereits um 2° C. angestiegen! Hauptursache hierfür ist aller Wahrscheinlichkeit nach der generell steigende CO2-Ausstoß, der wiederum ganz maßgeblich vom Energieverbrauch unserer Gebäude, v.a. für deren Heizung, verursacht wird – und hier liegen deshalb logischerweise auch die größten Einsparpotenziale für die schädlichen Klimagase.

Stadtrat Eckart Friebis

Stadtrat Eckart Friebis (Bild: Britt Schilling)

Und damit sind wir schon beim aktuellen Thema Energiestandards: Einerseits müssen wir den Altbaubestand energetisch sanieren, um den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoß deutlich zu senken, da sind wir mit einer Sanierungsquote von jährlich rund 1,6% im bundesweiten Vergleich gar nicht schlecht, obwohl wir auch hier noch schneller sein müssten und eine Sanierungsquote zwischen 2- 3% geboten wäre.

Andererseits ist es zwingend erforderlich, bei allen Neubauten möglichst gute energetische Standards zu realisieren, sind doch die Neubauten von heute die Altbauten von morgen.  Und wenn wir da nicht das bestmögliche machen, werden in den nächsten Jahrzehnten Jahr für Jahr unnötig viel Energie verbraucht, unnötig viel Klimagas CO2 emittiert und – vor allem bei künftig vermutlich wieder ansteigenden Energiepreisen – unnötig viel Heizkosten als zweite Miete auf MieterInnen und natürlich auch EigentümerInnen zukommen.

Manche haben ja nun gemeint, dass die Freiburger Energiestandards, die noch immer etwas ehrgeiziger sind als die bundesgesetzlichen Vorgaben, zu einer unzumutbaren Kostensteigerung beim Wohnungsbau führen würden.  Deshalb liegen jetzt dankenswerter Weise zwei detaillierte Gutachten zu diesem Thema vor, die auch von anderen Untersuchungen, so aus Hamburg, bestätigt werden. Danach führt der aktuell gültige Freiburger Effizienzhausstandard, der dem KfW 55 Standard entspricht, allenfalls zu Mehrkosten von 1,5-2% gegenüber dem gesetzlichen Standard EnEV216. Werden die diversen Förderprogramme mit einbezogen, gehen die Mehrkosten tendenziell gegen Null oder es können sich sogar Einsparungen bis zu 3% ergeben.

Auch wenn es recht unterschiedliche absolute Baukosten innerhalb der einzelnen Energiestandards gibt, wichtig ist die Relation der Kosten bei Realisierung der verschiedenen Standards, und dabei zeigt sich durchgehend,  dass  Mehrkosten, wenn überhaupt, immer nur bis höchstens 2 Prozent gegenüber EnEV 2016 entstehen, und wie schon gesagt, bei Inanspruchnahme von Fördergeldern eine Kostenneutralität oder sogar Kosteneinsparung bei höheren Energiestandards herauskommt.

Wir sind froh, dass sich nach Vorlage dieser Gutachten jetzt eine Versachlichung der Debatte ergeben hat und Transparenz in diese zugegebenermaßen nicht einfache Thematik kommt. Erfreulich ist, dass auch die Bauträger, die sich in der Vereinigung Freiburger Wohnungs- und Gewerbeunternehmen (VFW) zusammengeschlossen haben, dies in einer gemeinsamen Erklärung mit Stadt und Stadtbau bestätigen und als Fazit feststellen:

„Der Freiburger Effizienzhaus-Standard soll wie in den baulandpolitischen Grundsätzen dargestellt beibehalten und aktuell nicht modifiziert werden.“

Eine weitere Diskussion über die Absenkung der Freiburger energetischen Baustandards erübrigt sich somit allein schon in Anbetracht der vorliegenden Kostenberechnungen, zumal bei einer langfristigen Lebenszyklusbetrachtung weitere positive Aspekte guter energetischer Standards zum Tragen kommen, wie z.B. geringere Verbrauchs- und Nebenkosten, höhere Gebäudewerte, höherer Wohnkomfort – dies alles neben der ganz wesentlichen Zielsetzung, möglichst viel unnötiges CO2 zu vermeiden und dem Klimawandel entgegen zu wirken.

Auch angesichts der Tatsache, dass schon ab 2021 nach europäischen Vorgaben alle Wohngebäude im Niedrigstenergiestandard gebaut werden müssen, der dem Freiburger Standard vermutlich in etwa entsprechen wird, zeigt, dass eine Absenkung der Energiestandards völlig unsinnig und ein völlig falsches Signal wäre. Bei der anhaltenden technischen Entwicklung im Energie- und Gebäudebereich dürften wir uns vermutlich eher schon in absehbarer Zukunft mit weiteren Standardoptimierungen beschäftigen, was auch der fortschreitende Klimawandel verlangt.

Kostenrelevant beim Wohnungsbau sind also weniger bzw. gar nicht verbesserte energetische Standards, sondern ganz andere Aspekte:

Alleine der Bau eines Tiefgaragenstellplatzes mit Kosten von bis zu 30.000 € und mehr, kann je nach Wohnungsgröße zwischen 10 bis 20% der Baukosten ausmachen – während verbesserte energetische Standards allenfalls 1-2% Mehrkosten verursachen, bis hin zu Einsparungen bei Nutzung von Förderprogrammen.

Und schon eine um nur einen einzigen Quadratmeter kleinere Wohnung durch intelligente und flächensparende Grundrisse, spart mehr ein als die potenziellen Mehrkosten infolge höherer energetischer Standards für die gesamte Wohnung! Hier gilt es insbesondere anzusetzen, um die steigenden Baukosten in den Griff zu kriegen!

Und die zu Recht beklagte Unwirtschaftlichkeit des öffentlich geförderten Mietwohnungsbaus für die Stadtbau oder sonstige Investoren hat mit Kosten für bessere Energiestandards allenfalls am Rande zu tun: unzureichende Förderbedingungen und hohe Mietabschläge von einem Drittel unter dem Mietspiegel wie auch die beschriebene Stellplatzproblematik sind hier die wirklichen Probleme!

Fazit: Wir nehmen die vorliegenden Informationen zur Kostenrelevanz energetischer Standards im Wohnungsbau zur Kenntnis und hoffen, dass damit endlich die quälend lange Debatte um eine Absenkung des Freiburger Effizienzhausstandards erledigt ist. Vielmehr sollten wir uns um die tatsächlichen Kostentreiber (Stichwort: Tiefgaragenstellplätze; flächeneffiziente Grundrisse; aber auch Grundstückspreise und eine zu geringe Baudichte) und um verbesserte Fördermöglichkeiten von Bund und Land kümmern. Das hilft der Bauwirtschaft genauso wie den MieterInnen und WohnungseigentümerInnen und natürlich auch der Umwelt.

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