„Den Colombi-Park aus seinem Dornröschenschlaf wecken!“

Mit der Umgestaltung des Colombiparks folgt ein weiterer wichtiger Baustein der Neugestaltung der westlichen Altstadt. Die GRÜNE Fraktion unterstützt das Projekt, ein sicherer und attraktiverer Park nutzt letztlich allen Freiburger*innen. In ihrer Rede würdigt Fraktionsvorsitzende Maria Viethen das nunmehr beschlossene Entwicklungskonzept:

Rede von Fraktionsvorsitzender Maria Viethen zu TOP 33 der Gemeinderatssitzung vom 9.7.2019: „Entwicklungskonzept Colombi-Park“

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Gäste auf der Empore,

Mit der heutigen Entscheidung über die Umgestaltung des Colombi-Parks setzen wir – vorläufig – den letzten Baustein für die Neugestaltung des gesamten westlichen Altstadtrings, beginnend mit der Kronenbrücke bis zum Europaplatz, um. Es sind dann natürlich immer noch Wünsche offen, beispielsweise die Gestaltung des Geländes an der Hochallee bei der Mensa mit einer Verbesserung der Campussituation der Universität und weiteres mehr. Solche werden wir jedoch zurückstellen müssen, schlicht weil es der Stadt an den nötigen finanziellen Mitteln fehlt.

Fraktionsvorsitzende Maria Viethen (Bild: Britt Schilling)

Auch die Umgestaltung des Colombi-Parks, die ursprünglich mit rund 2,5 Mio. € budgetiert war, konnte im jetzigen Doppelhaushalt nur mit 1 Mio. € berücksichtigt werden. Die restlichen Kosten wurden auf späterer Haushaltsjahre verlagert. Aber ich denke, wir sollten Entscheidung nicht verschieben, sondern anfangen. Schon seit Jahren bezeichnet die Polizei den Colombi-Park als einen der drei Hauptkriminalitätsschwerpunkte in der Stadt, der besonderer Beobachtung bedarf. Dort häufen sich seit Jahren kriminelle Übergriffe, insbesondere Raubüberfälle. Weiter kam es auch zu sexuellen Belästigungen, einmal zu einer Vergewaltigung. Eine Gruppe von AnwohnerInnen, Hoteliers und Geschäftsleuten hat eine Initiative gegründet, um den Park sicherer und attraktiver zu gestalten. Als die Pläne konkreter wurden, äußerte sich auch der damalige Oberbürgermeister und bezeichnete den Park als »ungeschliffenes Juwel«, das sicherer und attraktiver werden soll. Ziel aller Maßnahmen, die uns nun vorgelegt werden, ist es, mehr Licht und öffentliche Einblicksmöglichkeiten in den Ball zu eröffnen und diesen einladender für Bürgerinnen und Bürger zu gestalten, insbesondere für Familien mit Kindern.

Äußerst schwierig waren die Auseinandersetzungen mit den Auflagen des Denkmalschutzes. Nicht nur das Colombi-Schlösschen, das das Museum für Ur- und Frühgeschichte beherbergt, steht unter Denkmalschutz, auch der Park stellt ein Kulturdenkmal und flächenhaftes Naturdenkmal dar. Bei dem Hügel handelt sich um Reste von der im 17. Jahrhundert errichteten Bastion der Befestigungsanlage, die im Zuge der französischen Besetzung durch den Baumeister Vauban errichtet und später geschleift wurde. Der Denkmalschutz ist den Plänen der Standort entgegengekommen, hat jedoch beispielsweise auch die Umsetzung der schönen Idee verhindert, dort im Park einer Orangerie zu errichten, also einen gläsernen Wandelgang mit besonderer Bepflanzung, möglicherweise auch Bewirtung. Ein zusätzlicher Baukörper im Park ist jedoch schlicht nicht genehmigungsfähig.

Geplant sind jetzt ein großer Spielplatz am nördlichen Aufgang vom Rotteckring in den Park mit Wassernutzung und Toilettenanlage sowie einem Cafe im alten Trafohäuschen, von dessen Terrasse der Spielplatz aus eingesehen werden kann. Ein idealer Aufenthaltsort für Eltern mit Kindern im Schatten der großen Bäume.

Nachdem die Pläne der Stadt dann im Januar dieses Jahres der Bürgerschaft vorgestellt wurden, hat sich schnell eine Bürgerinitiative der Anwohnerinnen und Anwohner gegründet, die nach wie vor große Bedenken gegen die Umgestaltung des Parks äußert. In der Presse war zu lesen, dass sich auch die Bürgerinitiative intern nicht einig war. Mitglieder unserer Fraktion haben sich in der letzten Woche noch einmal mit der Bürgerinitiative getroffen. Unsere GesprächspartnerInnen haben eloquent, aber sehr sachlich ihre Anliegen vertreten. Sollte es tatsächlich so gewesen sein, war es nicht sonderlich geschickt, die direkten Anwohnerinnen und Anwohner erst zu benachrichtigen, nachdem das Konzept mehr oder weniger fertig auf dem Tisch lag. 

Von den weiteren Kritikpunkten bleibt eigentlich nur einer übrig, nämlich die Frage, was mit den Drogenkonsumenten passieren wird, die sich im so genannten »Käfig« am Nordost Ende des Parks aufhalten. Als dieser – wegen der hohen Umzäunung »Käfig« genannte – Bereich vor Jahren errichtet wurde, gab es ebenfalls schon Protest aus der Anwohnerschaft. Mittlerweile hat man festgestellt, dass dort Befriedung eingetreten ist. Die Besucherinnen des Käfigs haben über den ihnen eigentlich eingeräumten Aufenthaltsraum noch weitere Flächen belegt, so dass sich, so jedenfalls die AnwohnerInnen, mehrere Gruppen von DrogenkonsumentInnen dort aufhalten können. Dies jedoch ist genau der Platz, wo später der Spielplatz eröffnet werden soll. Will man tatsächlich ein Café in direkter Nachmittag Nachbarschaft des Platzes, so geht dies nur dort, weil das dortige alte Trafohäuschen, das nicht unter Denkmalschutz steht, umgebaut werden kann.

Der Platz für Suchtkranke und KundInnen des Kontaktladens soll also an die Nordwestecke des Colombiparks umziehen, wo eine gegen den restlichen Platz abgegrenzter Hochterrasse als Aufenthalts hergerichtet wird. Dieser Ort ist näher zum Kontaktladen gelegen, dessen Öffnungszeiten erweitert werden sollen. Es soll eine Pergola geben, die Schatten und einen gewissen Sichtschutz bereitstellt. Weiter soll eine Pinkelwand errichtet werden, um zu verhindern, dass die Menschen ihre Notdurft in den nahe gelegenen Hauseingängen verrichteten. Als problematisch wird geschildert, dass es zu der Hochterrasse nur einen Ein- und Ausgang geben wird, da Drogensüchtige Plätze bevorzugen, von denen sie leicht entweichen können. Problematisch ist auch, dass diese Hochterrasse – ebenfalls aus Denkmalschutzgründen – deutlich weniger Platz bietet als der bisherige »Käfig« mit dem Vorplatz, den die NutzerInnen sich angeeignet haben. Die AnwohnerInnen befürchten dass die Drogenproblematik und ihre Begleiterscheinungen sich dann nicht mehr auf diesen Platz konzentrieren werden, sondern dass die misslichen Folgen die Nachbarschaft treffen bzw. in weit in andere Teile der Stadt verlagert werden.

Die Abwägung ist in einem solchen Fall nicht einfach. Wir sehen diese Gefahr, denken jedoch, dass die Vorteile für die Gesamtstadt eindeutig überwiegen. Die Forderung, man müsse jedes denkbare Folgeproblem gelöst haben, bevor überhaupt eine Umgestaltung angepackt werden kann, ist unrealistisch. Wir werden ein besonderes Auge auf die Entwicklung der Drogenklientel dort vor Ort haben müssen und erwarten von der Verwaltung nach der Fertigstellung des Parks genau zu diesem Thema regelmäßige Bericht zu erstatten, zunächst einmal nach sechs Monaten, dann vielleicht im Jahresrhythmus. Wir sollten uns nicht täuschen: dieser Park in Bahnhofsnähe wird immer besonderer Beobachtung bedürfen. Es wird dort immer Prostitution geben, es werden dort in der Nacht auch immer Suchtkranke drücken. Der neue Spielplatz wird jeden Morgen gereinigt werden müssen.

Trotzdem ist es gut, dass der Colombi-Park aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und attraktiver für Familien und Touristen gemacht wird. Wir hoffen, dass ein großer Spielplatz an diesem Ort gut angenommen wird und mit dem Einsatz von Wasser eine gewisse Entlastung für den Platz der Alten Synagoge bewirkt. Wir wünschen dem Projekt viel Erfolg.

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