Heizpilze: „Im Klimaschutz auf Kurs bleiben“

Wir lehnen die (temporäre) Genehmigung für Heizpilze weiterhin ab. Gespräche mit Freiburger Gastronom*innen haben gezeigt, dass viele Konzepte entwickelt haben, um auch über den Winter Außenflächen zu bewirten – ohne Heizpilze. In Freiburg ist daher die richtige Entscheidung gefallen: die Gastronomie bekommt weiterhin mehr Raum, Heizpilze sind nicht erlaubt.

Rede der Stadträtin Sophie Schwer zu TOP 16 der Gemeinderatssitzung vom 20. Oktober 2020: Temporäre Änderungen der Sondernutzungsrichtlinien für die Innenstadt der Stadt Freiburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

Corona stellt die Gastronomie hier in Freiburg vor eine große Herausforderung. Wir beschäftigen uns als Fraktion seit Beginn der Pandemie mit demThema und führen seit einigen Wochen vermehrt Gespräche und Telefonate mit verschiedenen Gastronom*innen in der Stadt. In letzter Zeit haben wir insbesondere nachgefragt, wie ihre Winterkonzepte aussehen und die einstimmige  Rückmeldung war, dass die zur Verfügung gestellten Außenflächen sehr wichtig sind und viel helfen. Dies findet unserer Einschätzung nach in der Bevölkerung und entsprechend auch im Gemeinderat breite Unterstützung.

Stadträtin Sophie Schwer (Bild: Britt Schilling)

Wir haben natürlich explizit auch nach Heizpilzen gefragt und ich möchte das an dieser Stelle deutlich machen: Nur ein sehr kleiner Teil der Gastronomie spricht sich aktiv für den Einsatz von Heizpilzen aus. Die große Mehrheit hat bewusst Konzepte ohn

e Heizpilze entwickelt. Dafür gaben die Gastronom*innen drei Gründe an: Viele haben sich aus eigener Überzeugung gegen die klimaschädlichen Heizpilze entschieden und waren sich sicher, dass auch ihre Freiburger Gäste diese Investition nicht honorieren würden. Einige Gastronom*innen gaben ökonomische Gründe an, der hohe Energieverbrauch wirkt sich nicht nur aufs Klima, sondern durch den Energieverbrauch, natürlich auch auf die Betriebskosten aus. In den letzten Wochen kamen noch vermehrt gesundheitliche Bedenken dazu. Viele Wirte und Wirtinnen waren nicht sicher, dass die Abstandsregelungen eingehalten werden können, wenn die Menschen unter den Heizpilzen zusammenkommen. Generell herrscht Unsicherheit wie lange uns das Virus noch beschäftigen wird und deshalb braucht die Gastronomie nachhaltig einsetzbare Lösungen wie zum Beispiel Anpassungen im Service, dem Menü (also Speisen und Heißgetränken) und Witterungsschutz. Wenn schon draußen geheizt wird, dann eher über Heizkissen, die finanziell und energetisch sehr viel effizienter sind.

Wenn es nun also nur so wenige Gastronom*innen sind, können wir dann die Heizpilze nicht einfach genehmigen? Nein, denn hier bekamen wir die eindeutige Rückmeldung, dass wir dadurch einen Zugzwang auslösen auf diejenigen, die bisher Konzepte ohne Heizpilze entwickelt haben. Wir lösen damit einen Trend aus, den wir nicht haben wollen. Ausnahme klingt erstmal nach einer einfachen Lösung, aber da hängt einiges dran: Wir fördern die Nachfrage nach einem Produkt und einer Technologie, die nicht mehr zeitgemäß ist in der Klimakrise und wir setzen einen Anreiz für die Anschaffung von Heizpilzen, ohne darüber nachzudenken, was dann nächsten Winter passiert, wenn die Gastronom*innen die Heizpilze alle im Keller haben. Da kann ich von hier aus schon sehen, wie die nächste Anfrage der FDP aussehen wird… Die Ausnahmeregelung ist deshalb nicht zielführend.

Zum Klimaschutz noch ein Wort: Selbst in der relativ milden, kurzen Wintersaison in Freiburg stösst der Heizpilz so viel CO2 aus wie ein Kleinwagen in einem ganzen Jahr. Egal welche Technologie zu Grunde liegt: Man heizt de facto die Atmosphäre, das ist energetisch völlig ineffizient und fürs Klima schlicht Irrsinn.

Wir beobachten mit Sorge die Entwicklungen auf Bundesebene, aber heute sind wir hier, um für Freiburg die richtige Entscheidung zu treffen. Der Vorschlag der FDP bedeutet auf dem erklärten Weg der Stadt zur Klimaneutralität ganz klar einen Schritt  zurück. Deshalb können wir den Antrag nicht mittragen. Wir haben eine Coronakrise und gleichzeitig eine Klimakrise, wir wollen die Gastronomie weiterhin durch die Außenflächen unterstützen, gleichzeitig müssen wir auch im Klimaschutz auf Kurs bleiben.

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