Anfrage

Mehr Inklusion am Arbeitsplatz

Anfrage

vom 17. August 2021

Trotz durchschnittlich besserer Qualifikation bleiben Menschen mit einer schweren Behinderung länger arbeitslos und werden seltener eingestellt als Arbeitslose ohne Behinderung. Wir wollen wissen, wie die Stadt Freiburg und ihre städtischen Gesellschaften mit dem Thema umgehen und was sie tun, um selbst mehr Arbeitsplätze für die Zielgruppe zu schaffen.

Schwerbehinderte Beschäftigte bei der Stadt Freiburg und den städtischen Gesellschaften – Anfrage nach §24 Abs. 4 GmO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Horn,

Bildung und Beschäftigung sind zentrale Schlüssel für eine gesellschaftliche Teilhabe. Doch nach wie vor entscheidet auf dem Arbeitsmarkt nicht allein die Qualifikation. Einzelne Personengruppen müssen für einen Arbeitsplatz höhere Hürden überwinden als andere. Auch eine Schwerbehinderung, die meist im Laufe des Lebens erworben wurde, hat einen starken Einfluss auf die Arbeitslosigkeit. Trotz durchschnittlich besserer Qualifikation bleiben Menschen mit einer schweren Behinderung länger arbeitslos und werden seltener eingestellt als Arbeitslose ohne Behinderung. Für private und öffentliche Arbeitgeber*innen ab 20 Arbeitsplätzen gibt es daher eine gesetzliche Pflicht, mind. 5 % der Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen vorzusehen. Leider wird diese Quote sehr oft unterschritten.

Auch mit Blick auf den Anteil schwerbehinderter Beschäftigter bei der Stadt Freiburg und ihrer städtischen Gesellschaften zeigt sich ein großes Ausbaupotential. Während die städtischen Gesellschaften die Pflichtquote zum Teil unterschreiten, wünschen wir uns ebenfalls von der Stadt Freiburg als Arbeitgeberin mehr Maßnahmen, um mehr Menschen mit Behinderungen für einen Arbeitsplatz zu gewinnen.

Um ein umfassenderes Bild über die aktuelle Arbeitssituation der Zielgruppe in unserer Stadt zu erhalten, bitten wir Sie um die schriftliche Beantwortung der folgenden Fragen unter Angabe des jeweiligen Frauen- und Männeranteil bei den Fragen 1-4 sowie 8:

  1. Wie hoch ist die Zahl der Arbeitslosen mit einer schweren Behinderung in der Stadt Freiburg? Wie lange bleiben sie in der Regel arbeitslos und hatte die Corona-Pandemie einen Einfluss auf die Arbeitslosigkeit?
  2. Wie ist die Datenlage zu den schwerbehinderten Beschäftigten bei der Stadt Freiburg und ihren städtischen Gesellschaften? Wie alt sind die Beschäftigten? Welche Arbeitsplätze besetzen aktuell Menschen mit schwerer Behinderung und über welche Dauer? Welche Unterstützungsmaßnahmen erhalten sie und andere Beschäftigte mit einer Behinderung?
  3. Wie viele Menschen mit schwerer Behinderung erhalten einen Ausbildungsplatz und für welche Berufe?
  4. Wie viele schwerbehinderte Menschen bewerben sich auf ausgeschriebene Stellen bei der Stadt Freiburg und ihren städtischen Gesellschaften? Wie viele werden zum Bewerbungsgespräch eingeladen und im Anschluss eingestellt? Wie viele von den Bewerbungen sind Bewerbungen aus dem eigenen Haus?
  5. Gelten für Menschen mit (schwerer) Behinderung die gleichen Auswahlkriterien wie für Menschen ohne Behinderung oder werden hier andere Maßstäbe angesetzt? Gibt es hierbei Möglichkeiten, die Leistungserwartungen flexibel zu gestalten – z.B. bei der Einstellungspraxis und den Arbeitszeiten?
  6. Welche Maßnahmen werden unternommen, mehr schwerbehinderte Menschen für Stellen zu werben? Wie kann die Pflichtquote kurz-, mittel- und langfristig erhöht werden?
  7. Welche Arbeitsplätze gibt es für welche Einschränkungen? Gibt es Arbeitsplätze, die aktuell nicht geeignet für die Zielgruppe sind? Wenn ja, welche und wie kann es in Zukunft geändert werden?
  8. Wie viele Menschen mit schwerer Behinderung arbeiten aktuell in den Kitas und Schulen? Wie setzt sich hier die Personengruppe zusammen (s. Fragen unter Punkt 2)?
  9. Gibt es Schulungen für Personaler und Personalerinnen, um für das Thema zu sensibilisieren?
  10. Wie unterstützt die Stadt Freiburg die f.q.b. gGmbH in ihren Bemühungen, die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit (schwerer) Behinderung zu verbessern?

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

Jan Otto, stellv. Fraktionsvorsitzender
Pia Maria Federer, Stadträtin