Rede

Ja zur Zwischennutzung durch Wagenburgen

Gemeinderatssitzung vom 26. Oktober 2021

Rede von Timothy Simms

Zwischennutzung ist eine gute Idee – auch für Wagenburgen. Nun kann eine städtische Fläche für die Wagenburg „Radlager“ genutzt werden. Eine positive Entwicklung – denn vor Jahren hat die Verwaltung noch alle Zwischennutzungsideen für Wagenburgen abgelehnt.

Rede von Stadtrat Timothy Simms zu TOP 3 der Gemeinderatssitzung vom 26.10.2021: Konzeptionelle Bereitstellung von Wagenstellplätzen (G-21/193)

Sehr geehrter Oberbürgermeister Horn,

Liebe Kolleginnen,

Sehr geehrte Damen und Herren,

Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sie leben und wohnen wollen. Dazu gehört auch das Leben in Wägen. Es gibt in Freiburg ja bereits verschiedene Wohnprojekte – auch für Menschen, für die ein Leben in Wohnungen aus sozialen Gründen nicht in Frage kommt.

Das Bedürfnis nach unterschiedlichen Wohnformen ist in einer vielfältigen Gesellschaft legitim und das ist auch gut so. Als Kommune ist es unsere Aufgabe, die Menschen zu unterstützen, ihre Wohnbedürfnisse zu verwirklichen. Deshalb bauen wir ja auch mit Dietenbach einen neuen Stadtteil. Auf begrenzten Flächen, werden nicht alle Wünsche erfüllbar sein – wir müssen dabei darauf achten, die Flächen gut zu nutzen. Es ist daher prinzipiell sehr zu begrüssn, dass die Stadt hier einem Verein auf einem aktuell nicht genutzten Grundstück eine Zwischennutzung für Wohnzwecke in Bauwägen überlässt. 

Stadtrat Timothy Simms (Bild: Britt Schilling)

Das Thema Wagenburgen und Zwischennutzungen ist kein neues. Immer wieder hatten wir in den letzten Jahrzehnten Gruppen von Menschen, die auf der Suche nach Grundstücken waren, um in Wägen zu leben. Ich erinnere mich an viele Gespräche mit Wäglern. Ich erinnere mich auch an die aktive Suche nach Flächen mit Kolleg*innen anderer Fraktionen. Die Verwaltung hat das Thema lange sehr skeptisch gesehen – und alle Flächen, die wir vorgeschlagen haben, gingen aus dem einen oder anderen Grunde nicht. Im Hintergrund stand dabei auch ein grundlegendes Misstrauen, weil geduldete Platzbesetzungen immer entgegen den Vereinbarungen in Räumungen und Platzverweisen endeten. Bis hin zur Beschlagnahme von Wägen durch das Amt für öffentliche Ordnung – ein trauriger Höhepunkt. Aufgrund dieser Erfahrungen war die Bereitschaft der Verwaltung zu Zwischennutzungslösungen gering.

Einen großen Bärendienst hat die Wagenburg Rhino allen Menschen, die in Wägen leben wollen, erwiesen. Die Räumung und die vorhergehenden Randale und Sachbeschädigungen im Vauban und angrenzenden Straßen mit brennenden Straßenbarikaden und blockierten Rettungswegen ist mir noch in lebendiger Erinnerung – ich bin da gerade neu ins Vauban gezogen.

Dafür kann die Gruppe Radlager nichts. Dieses Mal gibt es klare Verantwortlichkeiten, klare Regeln und Ansprechpartner*innen. Wenn dieses Mal eine Zwischennutzung problemlos läuft, dann würde dies allen Menschen nutzen, die in Wägen leben und Gelände zwischennutzen wollen – eine Win-Win-Situation, weil dadurch Wohnraum entsteht und Vorbehalte gegenüber alternativen Formen des Wohnens und Lebens ausgeräumt werden.

Wir bedanken uns beim Referat für bezahlbares Wohnen und allen Beteiligten für diese gute Lösung und wünschen viel Erfolg!