Wohnheime in Holzmodulbauweise an der Merzhauser Straße. (Foto: Timothy Simms)

„Gutes Instrument, um die Menschen beim Ankommen in der Gesellschaft zu unterstützen!“

Im Gemeinderat ging es heute um die Fortführung des Paktes für Integration. Das kommunale Integrationsmanagement hat sich bewährt. Denn „durch das Fallmanagement erhalten Einzelpersonen und Familien die passgenaue Unterstützung, die sie benötigen.“, so Stadtrat Karim Saleh in seiner Rede.

Rede von Stadtrat Karim Saleh zu TOP 4 der Gemeinderatssitzung vom 22.10.2019: Pakt für Integration

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Gäste,

Stadtrat Karim Saleh (Bild: Britt Schilling)

das Kommunale Integrationsmanagement ist ein gutes Instrument, um die Menschen beim Ankommen in der Gesellschaft zu unterstützen. Deswegen wird unsere Fraktion für die Fortsetzung des Paktes für Integration stimmen.

Mit dem Kommunalen Integrationsmanagement, kurz KIM, werden die Menschen dort abgeholt wo sie stehen. Durch das Fallmanagement erhalten Einzelpersonen und Familien, die passgenaue Unterstützung, die sie gerade benötigen – sei es z.B. bei der Suche nach einer Wohnung, einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz, einem Sprachkurs oder einem Kitaplatz.

Frauen, Frauen mit mehreren Kindern und Menschen mit Handicap können noch besser unterstützt werden. Darüber hinaus werden durch das KIM auch Menschen erreicht, die bereits in Privatwohnungen leben.

Integration wird aktiv gestaltet, statt passiv ausgesessen.

Im Beruf wird mir immer mal wieder die Frage gestellt: Wenn in Syrien oder Afghanistan Frieden herrscht, kehren die Menschen doch sicherlich wieder zurück. Wozu braucht es die ganzen Maßnahmen?

Diese Denkweise ist nicht neu. Schon von den sogenannten Gastarbeiter*innen nahm man an, dass sie irgendwann wieder gehen würden. Eine Denkweise, die dazu geführt hat, dass jahrzehntelang eine aktive Integrationspolitik verschlafen wurde – mit den entsprechenden negativen Folgeerscheinungen, die wir bis heute bearbeiten müssen.

Ich empfehle immer davon auszugehen, dass die Menschen bleiben werden – unabhängig davon wie die bleiberechtliche Situation aussieht – und sie entsprechend zu unterstützen sowie ihnen Teilhabe zu ermöglichen.

Wir dürfen nie vergessen, dass es um Menschen geht, um Individuen – Kinder, die im Alter von 8 Jahren kamen und nun nach dem vergangenen Sommer aufs Gymnasium gekommen sind. Teenager*innen, die nun fast erwachsen sind und bald ihren Abschluss machen, Eltern, die alles versuchen, damit ihre Kinder eine bessere Zukunft haben – alles während sie noch in Containern wohnen und ein Ende dieser Wohnsituation nicht in Sicht ist.

Auch das beste KIM wird die Wohnsituation insbesondere für Familien mit vielen Kindern nicht schnell beheben können. Aber das KIM kann helfen viele andere Baustellen zu bearbeiten. Wenn es gut läuft, kann vielleicht die eine oder andere Baustelle geschlossen werden. Im Idealfall werden die Menschen dazu befähigt, ihre gegenwärtigen und zukünftigen Baustellen selbst zu bearbeiten.

Eine nachhaltige Integrationspolitik muss zum Ziel haben, dass sich die Menschen selbstbestimmt und unabhängig in der Gesellschaft – in Freiburg – zurechtfinden. Das Integrationsmanagement ist ein gutes Instrument. Wie nachhaltig es ist, werden die Evaluationen zeigen. Vielleicht wird sich zeigen, dass das Fallmanagement so gut funktioniert, dass wir uns dann überlegen müssen, wie wir es ausweiten.

Wir sind auf gute und nachhaltige Instrumente angewiesen, um die integrationspolitischen Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen- weder jetzt noch in Zukunft. Denn – das soll an dieser Stelle noch kurz gesagt sein – wir haben uns als Stadt Freiburg ja bereiterklärt noch mehr Menschen aufzunehmen – das sollten wir im Tagesgeschäft nicht vergessen.

Für den Moment wünschen wir aber erst einmal den Integrationsmanagerinnen und Integrationsmanagern viel Erfolg für Ihre weitere Arbeit – mit allen Geflüchteten!

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