Dietenbach Bauen – Wege zum klimaneutralen Stadtteil

Die Grüne Gemeinderatsfraktion und der AK Klimaschutz der Freiburger Grünen luden am 29.07.2020 zum Fachgespräch „Dietenbach Bauen – Wege zum klimaneutralen Stadtteil“ ein. Coronabedingt fand der Austausch mit der Fachwelt per Videokonferenz statt. Gemeinsam mit renommierten ExpertInnen und ca. 40 TeilnehmerInnen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wurden Strategien für einen klimaneutralen Pionierstadtteil Dietenbach entwickelt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Stadträtin Sophie Schwer und Kreisvorstand Hannes Fugmann.

Das Fachgespräch begann mit einem Input von Dr. Sibylle Braungardt vom Öko-Institut zum Thema Klimaauswirkungen des Bausektors. Neben der Energie, die durch die langjährige Nutzung von Gebäuden verbraucht wird, belastet auch das Bauen selbst unser Klima. Diese Klimabelastung beinhaltet die Herstellung, den Transport von Baumaterialien und die Konstruktion des Gebäudes. Diese sogenannte Graue Energie wird bisher in der Klimabilanz von Gebäuden stark vernachlässigt, obwohl sie laut Braungardt eine signifikante Belastung für das Klima darstellt und dringend vom Klimaschutz adressiert werden müsste. Dies ist besonders relevant bei grossskaligen Neubauprojekten wie Dietenbach. Der Stadtteil wird 6.900 Wohneinheiten für ca. 16.000 Personen umfassen. Anstatt wie bisher nur auf die Energie zu schauen, die während der Nutzung des Hauses verbraucht wird, drängt Braungardt darauf, den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes in den Blick zu nehmen. Frau Braungardt zeigte anschaulich mit einem eigens dafür entwickelten Tool für die Stadt Darmstadt, welche Parameter beim Bauen besonders wirkungsvoll sind.

Klaus Dosch von Faktor X stellte im Anschluß ein besonders praktikables und eigens für Kommunen entwickeltes Online Tool KURT vor, mit dem man mit geringem Aufwand die Klimabilanz eines Wohnhauses berechnen kann und berichtete von kleineren Kommunen aus NRW, die eine gute Klimabilanz der Bauprojekte als Voraussetzung für die Vergabe kommunaler Grundstücke festgelegt haben. Die Vermarktung und Vergabe der Grundstücke ist eine wirkungsvolle Stellschraube für Kommunen, um die Qualität der Bauprojekte zu garantieren. Bei der städtebaulichen Entwicklungsmassnahme Dietenbach könne Freiburg mutig vorangehen und hätte viel Gestaltungsspielraum, bekräftigte Klaus Dosch.

Frau Prof. Dr. Annette Hafner von der Ruhr-Universität Bochum wiederum hat die Stadt München gerade bei der Realisierung einer ökologischen Mustersiedlung begleitet und stellte Holzbau als den „Königsweg“ des klimafreundlichen Bauens vor, der in München stark bezuschusst und gefördert wurde. Holz verbraucht nicht nur weniger Energie in der Herstellung als andere Baumaterialien, sondern speichert auch noch langfristig CO2 im Gebäude und ist damit der Spitzenbaustoff für den Klimaschutz. Um den Holzbau jedoch für die verschiedenen Bauherren, wie Familien, Baugruppen oder auch die Freiburger Stadtbau, interessant zu machen, bedarf es einer gewissen Vorbereitung: ein Bauherr aus München empfahl insbesondere ein Bauhandbuch zum Holzbau, das Fragen zu Lärm-, Feuchte- und Brandschutz von vornerein kläre, so dass nicht jedes Planungsteam bei Null anfangen muss und Unsicherheiten ausgeräumt werden können. Zusätzlich erwies sich in München ein Beratungsgremium als hilfreich, das die Bauprojekte vor dem Start noch einmal abklopfte.

Insgesamt waren sich die drei Fachleute und die TeilnehmerInnen über zwei Dinge einig:

  • eine rechtzeitige Vernetzung von AkteurInnen des Holzbaus in der Region und der vorrausschauende Aufbau von Kapazitäten in Personal und Material in diesem Bereich sind von zentraler Bedeutung.
  • Eine Bewertung von CO2-Emissionen und Ressourcenverbrauch braucht ein geeignetes, einfaches Tool zur Berechnung, das neben Holz auch andere Baustoffe miteinschließt.

Die große Herausforderung für Dietenbach wird es sein, ressourcenschonende und klimafreundliche Bauweisen attraktiv und bezahlbar zu machen. Aus den Beispielen andere Kommunen können wir sehen, dass dies gelingen kann, wenn Politik und Stadtverwaltung gemeinsam die Weichen stellen. Freiburg ist auf diesem Weg und wir Grüne werden weiter mit allen AkteurInnen für einen klimaneutralen Stadtteil Dietenbach einstehen.

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