„Wald: Helfer & Leidtragender im Klimawandel“

Nachdem im vergangenen Jahr mit der Waldkonvention das Leitbild für die Bewirtschaftung des Stadtwaldes beschlossen wurde, steht nun die Forsteinrichtungsplanung für die nächsten zehn Jahre auf der Tagesordnung des Gemeinderates.

Rede der Stadträtin Dr. Maria Hehn zu TOP 4 der Gemeinderatssitzung vom 29.06.2021: Zehnjährige periodische Betriebsplanung 2021 – 2030 für den Stadtwald Freiburg (Forsteinrichtung)

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Frau Umweltbürgermeisterin,
sehr geehrte Damen und Herren Stadträt*innen und Gäste auf der Empore!

„Gar herrlich hat’s die Forstpartie – der Wald, der wächst auch ohne sie.“

Altes Sprichwort, und auch nicht ganz falsch.

Der Wald würde tatsächlich auch ohne forstliche Bewirtschaftung wachsen – allerdings völlig anders. Denn ohne forstliche Bewirtschaftung wäre die Baumartenzusammensetzung eine andere, es gäbe eine andere Verteilung von kleinen und großen, dicken und dünnen, jungen und alten Bäumen, und die Bäume hätten eine andere Qualität. Was umgekehrt betrachtet bedeutet, dass wir den Wald bewirtschaften, also steuernd in das Ökosystem eingreifen müssen, sobald wir als Gesellschaft etwas vom Wald wollen: Naturschutzleistungen etwa oder Erholung oder den nachwachsenden Rohstoff Holz.

Und da wir als Gesellschaft diese drei Leistungen vom Wald erwarten, braucht’s dann doch an der einen oder anderen Stelle die Forstpartie – zumal wir neuerdings auch noch ganz dringend eine vierte Leistung vom Wald erwarten, nämlich Unterstützung im Kampf gegen die Erderhitzung: Indem Bäume im Verlauf ihres Wachstums CO2 aus der Luft herausfiltern und dieses Gas in umgewandelter Form im Holz binden; bestenfalls weit über ihre Lebenszeit hinaus: nämlich dann, wenn aus einem erntereifen Stamm ein langlebiges Holzprodukt wird.

Stadträtin Dr. Maria Hehn (Bild: Britt Schilling)

Aber: Der Wald ist nicht nur Helfer im Klimawandel, er ist auch Leidtragender: Die Trockenheit und Hitze der letzten Jahre haben in manchen Gegenden Waldbestände hektarweise durch Dürre und Borkenkäfer-Massenvermehrung absterben oder „löchrig“ werden lassen.

Speziell in dieser Situation nun kommt dem Instrument, um das sich die heutige Vorlage eigentlich dreht, eine ganz besondere Bedeutung zu: der so genannten „Forsteinrichtung“, also der Nachhaltigkeitskontrolle und Nachhaltigkeitssicherung. Dieses komische alte Wort verweist darauf, dass die „Forsteinrichtung“ den Forst bzw. seine Erträge einrichtet im Sinne von einreguliert, ausbalanciert, überprüft, neu austariert. Kurz: kontrolliert, dass nur so viel Holz geerntet wird wie nachwächst.

Dieser Rahmen für die tägliche forstliche Arbeit wird alle zehn Jahre neu gesteckt: Auf der Grundlage der Wirkungskontrolle der forstlichen Maßnahmen der vergangenen zehn Jahre und einer Erfassung des gegenwärtigen Zustandes wird die Rahmenplanung für die kommenden zehn Jahre fixiert.

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Zum konkreten Ergebnis dieser Forsteinrichtung des Stadtwaldes könnte man jetzt stundenlang reden. Das will ich aber nicht, sondern schlaglichtartig nur so viel: Freiburg als Waldeigentümerin hat die Zielsetzungen der Waldbewirtschaftung in der Waldkonvention – klassisch haben wir da die eben schon erwähnten drei gesellschaftlichen Anforderungen „Naturschutz“, „Erholung“ und „Holz“ – um eine vierte Anforderung, nämlich den „Kampf gegen den Klimawandel“ erweitert. Sie ist sich dabei allerdings sehr bewusst, den Wald in dessen eigenem Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels unterstützen zu müssen, etwa durch aktive Pflanzung trockenresistenter Baumarten.

Diesen strategischen Rahmen der Waldeigentümer-Zielsetzungen hat die Forsteinrichtungs-Planung ausgefüllt mit Vorgaben, die den Wald in zehn Jahren höchstwahrscheinlich mindestens genau so gut dastehen lassen wie er sich uns heute präsentiert – sofern klimatechnisch nichts allzu Unvorhergesehenes passiert.

Ein Plan mit Sensibilität, Augenmaß und forstlichem Sachverstand, den wir da heute verabschieden. Ein guter Rahmen, ein guter Plan.

Ich komme zum Schluss und möchte an dieser Stelle den Kollegen von der Forstdirektion – die gesetzlich für dieses „Forsteinrichtungswerk“ zuständig ist –, Herrn Wossidlo und Herrn Prinz, ganz herzlich für ihre engagierte und kompetente Arbeit danken – und aus deren Nähkästchen plaudern, wenn’s an den Dank an das Forstamt, die Leiterin Frau Schmalfuß und ihre Mitarbeitenden, geht: Man käme ja viel rum im Land bei diesem Job als Forsteinrichter – aber eine dermaßen motivierte, leistungsbereite und leistungsfähige Truppe, die so sehr am gleichen Strang in die gleiche Richtung ziehe – die sei ihnen noch nicht so oft begegnet.

Unsere Fraktion stimmt der vorgelegten Forsteinrichtungsplanung sehr gern zu und freut sich, wenn die anderen Fraktionen dem folgen.