Rede

Grundsatzbeschluss: Energieversorgung Dietenbach

Gemeinderatssitzung vom 27. Juli 2021

Rede von Sophie Schwer

Mit dem Neubaugebiet Dietenbach wollen wir zeigen, dass urbanes Leben zukunftsfähig ist. Klimaneutrale Energie- und Wärmeversorgung ist dazu unabdinglich. In ihrer Rede zum Thema bekräftigt Stadträtin Sophie Schwer den Weg der Stadt, stellt aber gleichzeitig notwendige kritische Fragen – wenn nötig muss nachjustiert werden.

Rede von Stadträtin Sophie Schwer zu TOP 9 der Gemeinderatssitzung am 27. Juli 2021

Stadträtin Sophie Schwer (Bild: Britt Schilling)

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

liebe Kolleginnen und Kollegen

sehr geehrte Damen und Herren

wir fassen heute den Grundsatzbeschluss für das Energiekonzept und reden damit über einen wichtigen Aspekt unseres neuen Stadtteils. 

Dietenbach ist in vielerlei Hinsicht, aber insbesondere in seiner Größe ein sehr aussergewöhnliches Projekt.

Die Ansprüche an den Stadtteil könnten höher kaum sein: Bezahlbarkeit, Mobilität, Lebensqualität und als Grundstein und Vorraussetzung für alles: die Klimaneutralität. Etwas pathetisch gesagt: Dietenbach muss für uns der Beweis werden, dass urbanes Leben hier zukunftsfähig ist.

Im Angesicht des Klimawandels, der uns in den letzten Wochen auch hier in Deutschland mit voller Wucht trifft, kommen wir nicht umhin, uns über die Zukunft zu sorgen und uns zu fragen: Wie wird es weitergehen und bereiten wir uns gut genug vor?

Es ist unsere Aufgabe als Gemeinderat und als Verwaltung, die Stadt fit für die Zukunft zu machen. Das gilt insbesondere für den neuen Stadtteil.

Zur Zeit beschäftigt uns daher das Energiekonzept, das einen kritischen Pfeiler in der gesamten Planung und in der Klimaneutralität darstellt.

Hierzu erreichten uns in den letzten Tagen viele Stellungnahmen, Positionspapiere, Emails und Anrufe und ich möchte die Gelegenheit hier deshalb nutzen, mich bei unserer überaus engagierten und fachlich versierten Zivilgesellschaft zu bedanken.

Ich habe großen Respekt vor den Kenntnissen und dem Engagement. 

Das Energiekonzept soll genauso flexibel, zukunftsfähig und natürlich bezahlbar sein, wie der Rest des Stadtteils. Hierbei steht unsere Verwaltung vor den Problemen, dass Sie weder den CO2-Preis, noch Technologieentwicklungen oder die Bewegungen am Energiemarkt vorhersagen können, aber dennoch ein innovatives, technologieoffenes und vor allem wirtschaftliches Konzept realisieren müssen, dass uns spätestens im Herbst diesen Jahres überzeugt.

Damit das gelingt, haben wir viele Anregungen aus der Zivilgesellschaft aufgenommen und unsere offenen Fragen in Form eines interfraktionellen Antrags gebündelt.

Die Herausforderung besteht für die Verwaltung insbesondere darin, über die Klimaneutralität des einzelnen Gebäudes oder Baublockes hinauszudenken. Wir orientieren uns in Dietenbach an einem Stadtteilmaßstab und bisherige Erfahrungen und Konzepte müssen daher in eine neue (vergleichsweise großskalige) Perspektive gebracht werden. 

Diese ganzheitliche Perspektive ist notwendig, weil wir hier politisch für bezahlbares Wohnen verantwortlich sind. Schließlich bauen wir den ganzen Stadtteil nur deshalb, weil wir dringend bezahlbares Wohnen für die Freiburgerinnen und Freiburger ermöglichen wollen, hierzu gehören selbstverständlich auch bezahlbare Nebenkosten!

Wichtig ist mir noch, dass das Thema Klimaneutralität nicht mit dem Energiekonzept erledigt ist. Das Mobilitätskonzept, die Grünräume und auch das Thema Graue Energie sind ebenfalls wichtige Pfeiler unserer zukünftigen Klimaneutralität. 

Warum bleibt der Gemeinderat im Angesicht dieser Herausforderungen und der offenen Fragen so gelassen? 

Dieses ist nicht das erste Mal, dass die Projektgruppe Dietenbach vor einer auf den ersten Blick aussichtslosen Aufgabe steht. Wir haben zum Beispiel schon erlebt, wie sie hunderte von Grundstücken zusammengesammelt und mit der Sparkasse ein tragfähiges Finanzierungsmodell ausgetüftelt hat.

Basierend auf den bisherigen Erkenntnissen haben wir also allen Grund, unserer Verwaltung zuzutrauen, das Energiekonzept bis zum Herbst auf diesem Weg weiter zu konkretisieren. Daher stimmen wir der Drucksache zu.

Herzlichen Dank.

Den interfraktionellen Antrag zum Thema lesen Sie hier: