Rede

Bedarfsplanung Eisstadion

Gemeinderatssitzung vom 27. Juli 2021

Rede von Jan Otto

Das Freiburger Eisstadion ist baufällig und wird im aktuellen Zustand keine weitere Betriebserlaubnis erhalten. In Zeiten klammer Kassen muss die Stadt sehr sorgfältig prüfen, ob und wo ein Neubau möglich und wie dieser finanzierbar ist.

Rede von Stadtrat Jan Otto zu TOP 24 des Gemeinderats am 27. Juli 2021: Bedarfsplanung für ein neues Eisstadion in Freiburg

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Dezernent*innen, liebe Kolleg*innen, verehrte Gäste, sehr geehrte Vertreter*innen des EHC und von Pro Eissport Südbaden,

Ich möchte mit einem Dank beginnen: an Herrn Staible stellvertretend für die Mitarbeiter*innen, die zur Zeit gewissenhaft die Varianten prüfen, wie man möglicherweise eine Eishalle realisieren könnte.

Diese Prüfung ist keine leichte und wir als Fraktion möchten den Arbeitsaufwand und die umfassende Darstellung würdigen. Nach der Vorberatung im Sportausschuss und dem Bauausschuss sind eigentlich einige Fragen geklärt worden, die meiner Vermutung nach trotzdem gleich wieder wild durcheinander gehen werden:

Stadtrat Jan Otto (Bild: Britt Schilling)
  1. Breitensport: Natürlich ist es nur sinnvoll, alle Sportler*innen und Bürger*innen mitzudenken, die ihren Sport bzw. ihr Hobby auf dem Eis ausüben möchten, für Breitensport und Öffentlichkeit Bedarf es allerdings bei weitem keine DEL2 oder gar DEL1 taugliche Halle, das könnten wir kleiner, billiger und vielleicht sogar im Bestand haben. Eine Pflichtaufgabe der Kommune ist allerdings auch dies nicht.
  2. Flächen: Ein Neu- oder Umbau am aktuellen Standort ist nicht möglich, da keine alternative Spielstätte zur Verfügung steht und somit der EHC nicht am Ligabetrieb teilnehmen könnte. Der potentielle Standort an der Messe ist daher deutlich sinnvoller. Wer sich nun aber Hoffnungen macht, man könne eine Halle aus den Erträgen möglicher Grundstücksverkäufe an der Ensisheimer Straße finanzieren, der ignoriert bewusst oder unbewusst unseren Grundsatzbeschluss keine städtischen Flächen mehr zu veräußern und außerdem die Besitzverhältnisse, die zwischen Stadt und kommunalen Stiftungen aufgeteilt sind. Und ein Kuhhandel zu Lasten der Stiftung würde ich mir nicht nur als Stiftungsrat verbitten, da ist auch noch eine Rechtsaufsicht im Weg.
  1. Investor*innenmodell: Niemand wird uns diese Halle schenken und auch potentiellen Investor*innen ist die wirtschaftliche Situation des EHC bewusst und wer die Nachrichten zum deutschen Eishockey auch nur kursorisch recherchiert, der versteht auch, warum die Investor*innen auf eine Bürgschaft oder ähnliches der Stadt Freiburg besteht. Und schon haben wir ein Modell, bei dem wir am Ende haften, aber keinerlei Gestaltungsspielraum haben, eine klassische lose-lose Situation für die Stadt. Umso unverständlicher, warum sich hier eine so breite Mehrheit des Hauses auf diesen Strohhalm stürzte. Fraktionen, denen sich in normalen Zeiten bei Vokabeln wie public-private-partnership oder auch nur Investor*in einen die Nackenhaare aufstellen, die bei jeder Gelegenheit Namen von Projektentwicklern aufzählen, als wären es Erzdämonen, Seite an Seite mit Fraktionen, die sich als Schutzpatron*innen des Einzelhandels, der inhaber*innengeführten Hotellerie und unserer Innenstadt sehen, werfen hier offensichtlich alle Bedenken über Bord?
  2. Profisport: meine Verbundenheit mit dem Eishockey in Freiburg ist lange nicht so alt, wie die unseres Sport- und Finanzbürgermeisters, oder die des Kollegen Veser und doch habe ich in der vergleichbar kurzen Zeit von 6 Jahren schon die ein oder andere Höhe und Tiefe erlebt. Man erinnere sich an die Saison 18/19 als der EHC in der ersten Runde der Playdowns 4:3 Bad Tölz unterlag und erst in der zweiten Runde im letzten Spiel gegen Deggendorf mit Ach und Krach den Ligaerhalt sicherte. Ich gestehe ein, es war die spannendste Saison, die ich mitgemacht habe, aber wenn das schief gegangen wäre, würden wir heute wahrscheinlich nicht mal diskutieren. Dass wir zwischenzeitlich diskutierten eine DEL1 taugliche Halle zu bauen, lud natürlich zum Träumen ein, ich sehe aber ehrlicherweise nicht, dass – auch wenn der sportliche Aufstieg mittlerweile möglich ist – der EHC in diesem kompetitiven Umfeld, wo es doch am ehesten auf sehr finanzkräftige Sponsor*innen ankommt, auf Dauer konkurrieren könnte.
  3. Rücklagen/Langfristplanung/Parallele SC: Die besten Kenntnisse über den Zustand der Halle, hat neben den prüfenden Behörden der Verein selbst und trotzdem ist mir nicht bekannt, dass eine Rücklage oder Ähnliches gebildet wurde, um sich an einem Neu- oder Umbau zu beteiligen. Dass die Stadt durchaus bereit ist, große Projekte gemeinsam mit Vereinen zu realisieren, hat sie in Sichtweite der Messe bewiesen, der SC trug und trägt aber seinen Teil bei, kann auf solide Wirtschaftsjahre und Rücklagen verweisen und sicher ist der Vergleich für den einen oder den anderen ärgerlich, da im Männerfussball natürlich deutlich mehr Geld steckt als in allen anderen Sportarten in Deutschland zusammen. Aber Null bleibt Null, bei aller Sympathie.

    Fazit: Wenn die Verwaltung fertig geprüft hat, werden uns solide Zahlen und Pläne vorliegen und wir können auf dieser Basis eine Entscheidung über Prioritäten in dieser Stadt treffen – ich bin gespannt. Vielen Dank!

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