Veranstaltungsbericht

Cool down statt warm up: Klimaanpassung in Freiburg

Veranstaltung am 2. August 2021
Dr. Wulf Westermann und Karla van der Meyden

Bericht des Stadtrundgangs mit dem Institut für Fortbildung und Projektmanagement ifpro/fesa e.V.

Der Klimawandel ist in vollem Gange und seine Folgen sind in ganz Deutschland spürbar. Insbesondere in sonnenverwöhnten Städten wie Freiburg ist die Hitzebelastung bereits als hoch einzustufen und wird in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen. Was bedeutet Klimawandel in Freiburg und wie können wir uns darauf vorbereiten? Wird der Klimawandel in der Stadtplanung berücksichtigt? Wie wird Klimaanpassung in die städtische Grün- und Freiraumplanung einbezogen? Was haben die Klimaänderungen mit unserer Gesundheit zu tun und was kann am Arbeitsplatz oder in der Freizeit getan werden? Diese und weitere Fragen zum Thema Klimawandel und seine Folgen wurden bei einem Stadtrundgang mit Dr. Wulf Westermann und Karla van der Meyden vom Netzwerk Klimawandel und Klimaanpassung/ifpro Vorort für Freiburg betrachtet.

Ausgestattet mit Infrarot Thermometern, mit denen wir anschaulich die Hitze der Oberflächen messen konnten, starteten rund 20 Personen den Rundgang am Rotteckring. Auf dem Pflaster maßen wir 30 Grad, auf der Grünfläche einen Meter weiter waren es 10 Grad weniger.

Wo noch vor wenigen Jahren viele Autos auf Beton fuhren, durchzieht nun eine begrünte Tramlinie die Mitte einer Fahrradstraße, auf der nur vereinzelt Autos fahren. Neu gepflanzte Bäume am Straßenrand sorgen für Abkühlung und frische Luft – ein gelungenes Beispiel für Klimaanpassung.

Der Weg führte uns weiter zu einer Apotheke, an der sinnbildlich erklärt wurde, wie der Klimawandel sich auf unsere Gesundheit auswirkt. Atemwegserkrankungen, mehr Allergien, die Ausbreitung von bisher seltenen Krankheitsüberträgern, Hitzebelastung von Senior*innen, Kindern und Menschen, die in ihrer Arbeit der Hitze ausgesetzt sind, seien hier beispielhaft genannt. Die Kosten für die Folgen sind gesellschaftlich erheblich.

Beim Halt auf dem Platz der alten Synagoge wurden die Zielkonflikte der Stadtgestaltung verdeutlicht: Ein großer Platz mit Aufenthaltsqualität, der gleichzeitig Raum für große Versammlungen bietet ist mit Klimaanpassung schwer unter einen Hut zu bringen. Dennoch – als der Auftrag vergeben wurde, stand das Wort „Klimaanpassung“ noch nicht in den Ausschreibungskriterien – „sonst würde der Platz anders aussehen“, so Dr. Wulf Westermann. Positiv zu bewerten seien der helle Stein (absorbiert weniger Hitze), das durch den Gemeinderat erwirkte Mehr an Bäumen, das Wasserspiel. Auch in unserer Runde erregte der Platz die Gemüter und sorgte für eine angeregte Diskussion. Einig waren wir uns am Ende darin, dass in den errungenen Kompromiss doch viele Kriterien eingeflossen sind.

Weiter ging es in die Fischerau ans kühlende Bächle mit Blick auf eine als Grün geplante, aber vertrocknete Gebäudefassade. Wenn Grün am Boden fehlt kann man durch Fassadenbegrünung Abkühlungseffekte erzielen – gute Beispiele gibt es in Freiburg jedoch kaum. Das städtische Programm Gebäude Grün Hoch 3, das im Herbst startet, soll hier Abhilfe verschaffen.

Fazit: Der Klimawandel findet statt, als eine der wärmsten Städte Deutschlands muss in Freiburg viel getan werden, um mit noch mehr Hitze klarzukommen. Mit dem Klimaanpassungskonzept haben wir eine wichtige Basis, die nun langsam mit Leben gefüllt wird. Dafür werden wir auch weiterhin finanzielle Mittel in die Hand nehmen müssen.

Klimaanpassung allein reicht nicht aus – in einer gemeinsamen Kraftanstrengung mit Land, Bund und allen übergeordneten Instanzen müssen wir das drastische Ansteigen der Temperatur verhindern.

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