Rede

Kleineschholz: „Eines der innovativsten Baugebiete“

Gemeinderatssitzung vom 26. Oktober 2021

Rede von Pia Maria Federer

Freiburg braucht Wohnungsneubau

Das Bebaungsplanverfahren für Kleineschholz geht voran: Der Gemeinderat hat den städtebaulichen und freiräumlichen Rahmenplan beschlossen sowie den städtebaulichen Entwurf gebilligt. Die bisherigen Planungen versprechen bezahlbares Wohnen, ambitionierte Energie- und Mobilitätskonzepte.

Rede von Stadträtin Pia Maria Federer zu TOP 11 der Gemeinderatssitzung vom 26.10.2021: Bebauungsplan „Kleineschholz Nord“- Beschluss des Rahmenplans (G-21/164)


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrter Herr Baubürgermeister,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
verehrte Kolleg*innen,
liebe Frau Recker, lieber Herr Fabian als Vertreter*innen der Projektgruppe Kleineschholz,

mit Kleineschholz mit seinen rund 500 Wohneinheiten entwickeln wir eine herausragendes Baugebiet für die Stadt Freiburg. Ein wahres Goldstück, um nicht zu sagen ein wahres Juwel, im Konvoi der Entwicklung neuer Wohngebiete. Warum ist das so? Kleineschholz gehört zu einem der innovativsten Baugebiete in Freiburg und neben Dietenbach damit auch zu einem der Wichtigsten.


Stadträtin Pia Federer, Bild: Britt Schilling

Dieses Baugebiet setzt auf vielfältige Weise soziale, ökologische Innovationen in Gang und, was besonders wichtig ist, ist für Bezieher*innen kleiner und mittlerer Einkommen erschwinglich. Auf vier Punkte möchte ich im folgenden näher eingehen:


I. Selbstverständlich werden 50% sozialer Wohnungsbau verwirklicht, für die weiteren 50% werden nicht-kommerzielle Bauträger mittels Konzeptvergabe ausgewählt. Die Vergabe an nicht-kommerzielle Bauträger ist ein wahrer Clou bei diesem Baugebiet. Stellen wir uns nur mal vor, dieses Baugebiet innenstadtnah würde in den restlichen 50% durch kommerzielle Bauträger verwirklicht und die Grundstücke an die höchst Bietenden verkauft. Welche Quadratmeterpreise leuchten da bei Ihnen auf? 8.000 bis 10.000 €/qm Wohnfläche? Wir verwirklichen aber hier ein Baugebiet für die Krankenschwester, den Erzieher, die Polizistin, die Alleinerziehende, den Schreiner und Wohnungslosen. Genossenschaftliches Bauen, Bauen über das Mietshäusersyndikat, Baugruppen und natürlich durch die Freiburger Stadtbau sind deshalb die Zauberworte, um bezahlbares Wohnen verwirklichen zu können. Darüber hinaus gibt es gerade im genossenschaftlichen Bauen vielfältige Ideen für gemeinschaftliches Wohnen im Quartier oder für nachhaltige Mobilität.

II. Zur Mobilität: Das Gebiet Kleineschholz liegt am Rande der Innenstadt und ist ausgezeichnet an den ÖPNV angebunden, liegt entlang einer Fahrradroute in die Innenstadt- aber auch wer zu Fuß gehen mag, ist rasch am Bahnhof oder in der Innenstadt. Günstigere Baupreise verwirklichen sich über eine Quartiershochgarage, so dass Tiefgaragen vermieden werden können und sich damit die Kosten für die Bebauung erheblich reduzieren. Sehr loben möchte ich die Verwaltung für den Stellplatzschlüssel von 0,3. Bisher eine nie dagewesene Größe. Auch das trägt zu kostengünstigerem Bauen bei. Wir wünschen uns, dass die geplante Quartiersstraße möglichst verkehrsarm gestaltet wird und möchten darüber im Mobilitätsausschuss nochmals genauer diskutieren. Denn auch eine völlig anders gestaltete Mobilität mit ÖPNV, Car-Sharing, Fahrradnutzung in Sharing mit anderen gehört zur Zukunft des Wohnens. Das bringt bessere Luft und hilft dem Klima!

III. Rückgebaut wird die Sundgauallee zu einem Parkweg. Straße wird also reduziert, auch das eine innovative Idee für die Menschen und für das Klima. So wird ermöglicht, dass das Baugebiet im Osten durch einen sehr schönen Park hin zum Rathaus im Stühlinger gesäumt wird. Für Familien mit Kindern unschätzbar. Spielen, Spaß, Erholung pur. Die Kleingärten, die – ein großer Wermutstropfen – werden weichen müssen, werden durch Urban Gardening ersetzt. Auch hier mehr Gemeinschaft. Das ist nicht für alle Kleingärtner*innen eine Alternative. Wir hoffen dennoch auf ihr Verständnis. Selbstverständlich wird der Lesegarten, wenn auch an einer anderen Stelle, seine wichtige und sinnvolle Arbeit fortführen können.

IV. Der Kleineschholzpark, der das Gebiet im Osten säumt, ist ein wesentlicher Baustein des neuen Freiraumkonzeptes im Freiburger Westen/Stühlinger. Es erstreckt sich von der Dreisam über die Gewerbeschulen, Kleineschholz, Uniklinik bis zum Hauptfriedhof. Ein ehrgeiziges Konzept, dass auf eine längere Verwirklichungsdauer ausgelegt ist und dem verpflichtet ist, was wir im Perspektivplan festgelegt haben: bei mehr Innenverdichtung braucht es hochwertige Freizeit- und Parkanlagen. Ich bin Herrn Jerusalem sehr dankbar, dass er beständig darauf achtet.

Abschließend noch ein Blick zurück und nach vorne: Vor zwei Jahren hatten wir in einem interfraktionellen Antrag unter anderem nicht-kommerzielle Bauträger*innen, Klimaneutralität, die Förderung von Artenschutz und Biodiversität und ein nachhaltiges Mobilitätskonzept für das neue Quartier gefordert:

Angesichts der sich dramatisch verschärfenden Klimakrise befürwortet der Gemeinderat die Zielsetzung, das neue Stadtquartier Kleineschholz zumindest klimaneutral zu konzipieren und darüber hinaus die Optionen für einen Plus-Energie-Stadtteil sorgfältig zu prüfen. Die Verwaltung wird beauftragt, dies im weiteren Verfahren mit den Beteiligten bzw. weiteren Fachleuten zu klären und den gemeinderätlichen Gremien wie auch der Öffentlichkeit baldmöglichst über die Ergebnisse zu berichten. Die dramatische Entwicklung bei der Erderhitzung mit ihren existenzbedrohenden Auswirkungen weltweit, von der die derzeitige erneute extreme Hitzeperiode Ende Juni/Anfang Juli 2019 nur einen Vorgeschmack liefert, erfordert ein noch schnelleres und noch entschiedeneres Handeln hinsichtlich Klimaschutz, Klimaanpassung und Biodiversität gerade auch auf kommunaler Ebene.
Die Grundeigentumsverhältnisse im geplanten Neubauquartier Kleineschholz, das sich vollständig im unmittelbaren bzw. mittelbaren öffentlichen Eigentum befindet, eröffnen die nicht alltägliche Chance, hier ein wegweisendes und nachhaltiges innerstädtisches Stadtquartier zu realisieren, das den Belangen des Klimaschutzes, der Klimaanpassung und der Biodiversität genauso Rechnung trägt wie einer sozial orientierten Bodennutzung und preiswerten Wohnraumschaffung.

Wir freuen uns, dass diese Punkte im Rahmenplan verankert sind. Unser interfraktioneller Antrag zur heutigen Sitzung steht deshalb in der Kontinuität unseres Antrags von 2019. Wir wissen heute, wir sind viel zu langsam. Die durch die Verwaltung übernommen Prüfaufträge sollen deshalb den KfW-Standard 40 prüfen, mehr Ausbau der Dachflächen mit PV-Anlagen sowie die Minimierung Grauer Energie etwa durch Holzbauweise .

Wir freuen uns auf intensive Diskussionen bei der Weiterentwicklung von Kleineschholz und einen baldigen Baubeginn!