Rede

Neustart fürs Metzgergrün: Quartiersarbeit & Begleitgremium

Gemeinderatssitzung vom 17.05.2022 Rede von Pia Maria Federer

Nachdem wir gemeinsam mit anderen Fraktionen im März einen Antrag zur Aufstockung der Quartiersarbeit im Metzgergrün gestellt hatten, wurde dieser in den gemeinderätlichen Gremien diskutiert und von der Verwaltung aufgenommen. Pia Maria Federer begründet in ihrer Rede, warum die Aufstockung ein wichtiger Schritt ist und warum wir in einem interfraktionellen Änderungsantrag eine längere Laufzeit der Stelle sowie ein Begleitgremium fordern.

Rede von Stadträtin Pia Maria Federer zu TOP 9 der Gemeinderatssitzung vom 17.05.2022: „lmplementierung von präventiver Quartiersarbeit im Zusammenhang mit den Baumaßnahmen im Bereich Metzgergrün (interfraktioneller Antrag vom 23.03.2022)“ (G-22/111)

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Kolleg*innen, verehrter Herr Oberbürgermeister, verehrter Herr von Kirchbach,

Nicht zum ersten Mal sprechen wir über das Metzgergrün: Ein innenstadtnahes Gebiet, das seit über zehn Jahren entwickelt wird und in dem in den kommenden Jahren zur Gewinnung von mehr Wohnraum alte Gebäude abgerissen werden. Statt 250 Wohneinheiten soll es künftig 580 geben. Der erste Bauabschnitt ist am Entstehen.

Stadträtin Pia Federer, Bild: Britt Schilling

Leider sind bei der Beteiligung der Bevölkerung, die die Umgestaltung das Metzgergrün ursprünglich mitbegleitet hat, von Stadt und Freiburger Stadtbau (FSB) gravierende Fehler gemacht worden. Dies gipfelte in der Baumfällaktion Ende Februar 2021, die der Bevölkerung des Metzgergrüns nur wenige Tage vorher mitgeteilt wurde. Diese nicht kommunizierte Baumfällaktion war ein tiefer Einschnitt bei diesem Projekt. Es ging dabei sehr viel Vertrauen bei den Bewohner*innen verloren. Seither jagt zwischen den Beteiligten ein Konfliktgespräch das andere. Die Quartiersarbeit, von der sich die Bewohner*innen nicht unterstützt fanden, wurde dann auch auf Wunsch des Quartiersrates abgezogen. Zuständig war sie damals für die Untere Ferdinand-Weiß-Straße, bei der das Metzgergrün einbezogen war.

So weit so schlecht!

Zwischenzeitlich fanden viele Bemühungen um Schadensbegrenzung von Seiten der Verwaltung, der Quartiersarbeit, des Amts für Soziales, der FSB und nicht zuletzt auch der Bewohner*innen statt. Insbesondere Frau Dr. Szablewska und Herr Gourdial mit seinem Team um das Qurtiersmanagement haben sich um Schadensbegrenzung und den Aufbau von neuem Vertrauen bemüht. Ebenso wie Frau Gruber und Herr Hug aus dem Metzgergrün.

Zuletzt gab es am 10. Mai 2022 ein Treffen mit Bewohner*innen und einigen Fraktionsvertreter*innen auf dem Gelände des Metzgergrün, bei schönstem Wetter. Die Gärten und alten Bäume waren in voller Schönheit. Es ist durchaus nachvollziehbar, das die Bewohner*innen keinen Abriss mehr wollen und ihre Heimat, das Metzgergrün, erhalten wollen. Es hat sich ein buntes Gemisch an Bewohner*innen aus den unterschiedlichsten Milieus dort zusammen gefunden, von älteren Menschen, von Menschen mit physischen Erkrankungen, aus dem Drogenmilieu und die „ganz normale Bewohnerin“. Sehr oft sind Nachbarschaften entstanden auf einer fragilen Basis und funktionierend. Ich beschreibe das auch, weil wir künftig vieles davon durch die Neubebauung aufgeben werden, die alten Häuser mit den Gärten und Bäumen, die diesen Ort so lebenswert machen und zu dieser besonderen Atmosphäre beigetragen haben. Ein kleiner Ort, der für die Bewohner*innen manchmal ein Paradies war. Viele der Bewohner*innen wollen inzwischen wegziehen, weil sie den Abriss der Häuser, Bäume, Gärten nicht miterleben wollen. 

Was ist nun notwendig für das Metzgergrün und seine Bewohner*innen? Mindestens drei  Punkte!

Erstens: Inzwischen ist für alle Beteiligten wieder klar: es braucht Quartiersarbeit und zwar speziell für das Metzgergrün. Deshalb auch unser interfraktioneller Antrag zur Implementierung einer halben Stelle, der der heutigen Vorlage zugrunde liegt. Eine Abstimmung vergangene Woche mit den anwesenden Bewohner*innen erbrachte ein einstimmiges Ergebnis für Quartiersarbeit. Die, die wegziehen, wollen, dass die Nachbar*innen, um die sie sich gekümmert haben, gut versorgt sind, dass neue Nachbarschaften entstehen, dass der Übergang gestaltet wird und Hilfe auch im Sinne von zugehender sozialer Arbeit angeboten wird. Sie wollen, dass Bewohner*innen besucht werden, dass herausgefunden wird, was vor allem die Älteren unter ihnen brauchen. Sie wollen, dass Mittagstische organisiert werden, dass eine Stimme in die Verwaltung vorhanden ist, dass informiert wird, was die Stadt und die FSB machen, wie und in welchen Zyklen Abriss und Neubebauung statt finden.

Eine solche Stelle kann natürlich nicht zeitlich befristet für zwei Jahren implementiert werden. Zu solch einer Idee kann man nur den Kopf schütteln, Herr Oberbürgermeister. Es braucht fast zehn Jahre bis die Neubebauung erfolgt ist, eine Quartiersarbeit ist mindestens so lange notwendig. Es braucht eine gestandene Persönlichkeit, die sich in der heutigen Zeit kaum für einen Zweijahresvertrag findet. Außerdem gibt es das neue Konzept zur Quartiersarbeit, dass bei 200 neuen geförderten Wohneinheiten reguläre Quartiersarbeit vorsieht. Deshalb muss die Quartiersarbeit im Metzgergrün unbefristet sein, wie wir es in unserem interfraktionellen Änderungsantrag fordern.

Zweitens: Ergänzend zur Quartiersarbeit sollen die Baumaßnahmen durch ein neues Gremium begleitet werden, in dem alle Beteiligten zusammen sitzen: Bewohner*innen, Quartiersarbeit, FSB, Stadt Freiburg. Ziel dieses Gremiums soll es sein, die Fortentwicklung im Baugebiet, Lösungen und natürlich Konfliktlagen zu diskutieren und Entscheidungen zu treffen. Auch das fordern wir in unserem Antrag.

Drittens: Wir regen an, das neue Gremium bereits nach Pfingsten tagen zu lassen und zu besprechen, wie der Übergang zur neuen Quartiersarbeit gestaltet werden kann – es wird einige Zeit dauern, bis die Stelle besetzt und eingearbeitet ist. Wir hoffen, dass Stadt und FSB entsprechende Mittel zur Verfügung stellen.

So kann daraus ein Neuanfang für das Projekt Metzgergrün werden. Dazu muss den Beteiligten klar sein, wie wichtig es ist verlässlich zu informieren und Absprachen einzuhalten. Konflikte sollen nicht gescheut werden und vor allem soll immer nach Lösungen gesucht werden.

Ich bitte Sie daher, verehrte Kolleg*innen: stimmen Sie unserem Antrag zu. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Interfraktioneller Änderungsantrag: Längere Laufzeit & Begleitgremium

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